Nach Todesfällen
Tschechien räumt Hochprozentiges aus den Regalen

In Tschechien ist Hochprozentiges über Nacht aus den Geschäften verschwunden. Die Regierung reagiert damit auf die jüngsten Todesfälle durch gepanschten Alkohol. Auch Polen und Sachsen haben mittlerweile reagiert.
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Prag/Warschau/DresdenDas am Freitagabend verhängte generelle Verkaufsverbot für hochprozentigen Alkohol wird bis auf wenige Ausnahmen eingehalten, bestätigte die tschechische Polizei am Samstag. Hintergrund des Verbots ist der Tod von mindestens 19 Menschen durch gepanschten Alkohol, der mit dem hochgiftigen Methanol versetzt war.

„Ich will nicht sagen, dass es Panik auslösen soll, aber es soll wie ein Schlag wirken“, sagte Gesundheitsminister Leos Heger der Zeitung „MF Dnes“ über das Verbot. Wer in Tschechien Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 20 Volumenprozent zum Verkauf anbietet, dem droht nun eine Geldbuße von umgerechnet bis zu 123.000 Euro oder sogar eine Haftstrafe von bis zu 10 Jahren.

Kliniken in Südmähren und Mährisch-Schlesien meldeten am Samstag drei neue Vergiftungsfälle, darunter einen schweren. Wenige Milliliter Methanol reichen für eine Vergiftung mit Übelkeit und Sehstörungen bis hin zu Erblindung oder Tod.

Polen hat nach den Todesfällen wegen Pansch-Alkohols in Tschechien die Einfuhr von Spirituosen aus dem Nachbarland gestoppt. Das teilte das Gesundheitsamt in Warschau am Sonntag mit. Die mit giftigem Methanol versetzten Alkoholika könnten auch in Deutschland verkauft worden sein. Sachsens Gesundheitsministerium hatte bereits am Freitag vor dem gepanschtem Alkohol aus Tschechien gewarnt. Der illegale Verkauf solchen Gift-Alkohols könne auch im Freistaat nicht ausgeschlossen werden.

„Das Ausmaß des Vertriebs lässt sich derzeit nicht abschätzen“, hatte ein Sprecher betont. Methanol ist giftig und kann zu Erblindung führen, bei der Einnahme von höheren Dosen auch zum Tod. In Tschechien sind bislang insgesamt 20 Menschen gestorben, weil sie mit giftigem Methanol vermischten Wodka oder Rum getrunken haben. Erst am Sonntag starb dort ein 63 Jahre alter Mann. Ärzte behandeln derzeit mehr als 30 Patienten.

Die Polizei fahndet in Tschechien weiter nach der Quelle des giftigen Methanols und kontrollierte mehr als 10 000 Geschäfte. Seit Freitag gilt in Tschechien ein striktes Verkaufsverbot für Getränke mit mehr als 20 Prozent Alkohol. Neun Verdächtige waren an dem Tag bereits inhaftiert worden. Gesundheitsminister Leos Heger gab dennoch keine Entwarnung, da Unklarheit über die Hintermänner und die genauen Verteilerkanäle herrsche.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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