Nach Unglück in Niedersachsen
Wie lassen sich schlimme Unfälle an Bahnübergängen verhindern?

Unfälle auf Bahnübergängen enden oft tödlich. Jetzt starb eine junge Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern auf einem ungesicherten Überweg bei Bremervörde. Nimmt die Unfallzahl zu? Und was lässt sich dagegen tun?

HannoverZerfetzte Autowracks, erschütterte Helfer und die Frage von Angehörigen, warum es nicht mehr Sicherheit gibt: Tödliche Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen wie jetzt bei Bremervörde führen immer wieder zum Ruf nach einer besseren Absicherung der Überwege. Zumeist missachteten Autofahrer die Warnsignale, meint die Bahn. Sie reduziert die Zahl der Überwege seit langem und will mit einer Kampagne den tödlichen Trend brechen. Zwar kracht es inzwischen schon seltener an Bahnübergängen, dennoch gab es 2014 noch immer 171 Unfälle mit 41 Toten und 230 Verletzten.

Haben Unfälle an Bahnübergängen zugenommen?
Nein, im Gegenteil. Die Zahl sank von 247 in 2004 auf 171 in 2014. Spitzenreiter war Bayern mit 52 Unfällen, in Niedersachsen gab es 17 Zusammenstöße.

Wer ist Schuld an den Unglücken?
Meist die Auto- und Radfahrer oder Fußgänger. In 70 Prozent der Fälle missachteten sie aus Unaufmerksamkeit oder Leichtsinn die Warnlichter, in 16 Prozent der Unfälle umgingen sie geschlossene Halbschranken. Elf Prozent der Kollisionen ergaben sich durch einen Rückstau, das Rangieren von Autos auf dem Überweg oder das Liegenbleiben eines Wagens. Drei Prozent der Unfälle hatten sonstige Ursachen, darunter waren auch technische Fehler am Bahnübergang.

Was wird gegen die Gefahr von Unfällen getan?
Dort, wo Bahnübergänge auch künftig unverzichtbar sind, wird eine bessere technische Sicherung geprüft. Alle Maßnahmen wie etwa den Bau einer Überführung müssen Bahn, Bund und die Straßenbehörde miteinander abstimmen und sich die Kosten zu je einem Drittel teilen. Deswegen braucht so manches Vorhaben seine Zeit. Zur Prävention rief die Bahn mit dem ADAC, der Bundespolizei und zwei Unfallversicherungen bereits 2002 die Infokampagne „sicher drüber“ ins Leben.

Werden Bahnübergänge auf ihren Sicherheitszustand hin überprüft?
Alle unbeschrankten Bahnübergänge ohne Warnlichter überprüft die Bahn routinemäßig dreimal pro Jahr genau. Dort, wo es Schranken oder Rotlicht gibt, gibt es zweimal jährlich eine strenge Inspektion. Auch die Straßenverkehrsbehörden organisieren regelmäßig eine Bahnübergangsschau, bei der unter anderem die Sichtverhältnisse auf die Gleise geprüft werden.

Sind Unfälle an Bahnübergängen erst seit der enormen Zunahme des Autoverkehrs und dem Zeitalter rasend schneller Züge ein Thema?
Nein, Übergänge waren für die Bahn schon immer Konfliktstoff. So gab es bereits 1924 einen aktenfüllenden, jahrelangen Schriftverkehr mit weit über 100 Eingaben, als die Reichsbahn auf der niederrheinischen Strecke Hassum-Wesel an 31 Bahnübergängen die Schranken durch Warnlichter ersetzen wollte. Autos waren damals noch das geringere Problem - mancher Beschwerdeführer hatte Angst um sein auf die Gleise laufendes Vieh.

Wie viele Bahnübergänge gibt es noch in Deutschland?
Die Zahl der Übergänge ist binnen zehn Jahren von 22 881 auf 17 509 in 2014 gesunken. Etliche Überwege wurden in Absprache mit den Kommunen geschlossen oder es wurden Unter- und Überführungen gebaut. In Niedersachsen, wo am Dienstag eine Mutter und ihre zwei kleinen Kinder starben, gibt es noch 2146 Bahnübergänge.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%