Nach Verwüstungen durch Tropensturm „Delta“
200 000 sitzen auf Teneriffa im Dunkeln

Nach den Verwüstungen durch den Tropensturm „Delta“ haben auf der Kanaren-Insel Teneriffa mehr als 200 000 Menschen die zweite Nacht in Folge ohne Strom verbracht. Betroffen waren vor allem die Hauptstadt Santa Cruz und das benachbarte La Laguna, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten.

dpa SANTA CRUZ/RABAT. In vielen Wohnungen gab es zudem weder Telefon noch warmes Wasser. „Delta“ hatte auf den Kanaren 19 Menschen das Leben gekostet, darunter 18 afrikanische Flüchtlinge, deren Boot vor Gran Canaria sank. Der Sturm zog dann nach Marokko weiter, wo mindestens ein Fischer beim Untergang eines Kutters starb. Acht Besatzungsmitglieder werden noch vermisst. Für sie gibt es kaum noch Hoffnung.

Erst am Freitag sollen alle Haushalte auf Teneriffa wieder am Netz sein. Der Sturm hatte gut 30 Stromtürme auf der Insel umgerissen. Die 40 Meter hohen Metallkolosse sind bis zu 20 Tonnen schwer. Das Material für die Reparatur müsse vom spanischen Festland eingeflogen werden, hieß es. In Santa Cruz und La Laguna blieben erneut viele Schulen geschlossen, vor den wenigen geöffneten Bäckereien bildeten sich lange Schlangen. „Die Menschen wurden fünf Jahrhunderte in der Zeit zurückgeworfen“, schrieb die Presse. Die Inselregierung mobilisierte 300 zusätzliche Polizisten, um Plünderungen zu verhindern. Am Vortag waren acht Plünderer gefasst worden.

In den Touristengebieten herrsche dagegen nahezu normaler Alltag, teilten die Behörden mit. Bei milden Temperaturen um die 20 Grad seien sogar die Strände wieder gut besucht.

Auf Gran Canaria prüfen Experten derweil, ob der „Finger Gottes“ rekonstruiert werden kann. Der mehr als 200 000 Jahre alte Basaltfelsen, der bei Agaete im Nordwesten der Insel wie ein gespreizter Finger 30 Meter aus dem Meer ragte, war von dem Unwetter gekappt worden. Das Naturmonument war eines der Wahrzeichen der Kanaren. 1994 hatte ein deutscher Kletterer den Felsen erklommen, war dann aber tödlich gestürzt. An der Spitze hatte er ein silbernes Kreuz hinterlassen.

Die Meteorologen halten Hurrikans oder Tropenstürme wie „Delta“ auf dem europäischen Festland für unwahrscheinlich. „Bei uns kommen meist nur die Überreste an. Die Hurrikans, die von Amerika mit der Westwindströmung über den Nordatlantik kommen, haben nicht mehr die Wucht wie in Äquatornähe. Allerdings können sie auch in unseren Breiten ihr Unwesen mit Sturm und starken Niederschlägen treiben“, sagte Heiner Walther vom Wetterdienst Meteomedia in Bad Nauheim in einem dpa-Gespräch. „Delta“ bezeichnete der Meteorologe als sehr seltenes Ereignis. „Seit Aufzeichnungsbeginn ist ein Sturm mit dieser Stärke noch nie vorgekommen“, sagte Walther.

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