Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe US-Musikboss Russell Simmons tritt zurück

Zwei Monate sind die Enthüllungen über Filmproduzent Weinstein alt, und immer noch werden weitere Übergriffe in der Entertainment-Branche bekannt. Mit Def Jam-Chef Russell Simmons ist nun auch ein Musik-Mogul betroffen.
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Hip-Hop-Mogul Russell Simmons: Auch die US-Musikindustrie ist von Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe betroffen. Quelle: AP
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Hip-Hop-Mogul Russell Simmons: Auch die US-Musikindustrie ist von Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe betroffen.

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New York/Los AngelesDie US-Medienbranche wird von weiteren Entlassungen nach Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe erschüttert. Mit NBC-Moderator Matt Lauer, einem der prominentesten Gesichter im amerikanischen Frühstücksfernsehen, und Radiomoderator Garrison Keillor aus Minnesota haben zwei bekannte Journalisten ihren Job verloren. Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Sender CBS von seinem Moderator Charlie Rose wegen ähnlicher Vorwürfe getrennt.

Nun gibt auch Plattenboss Russell Simmons (60), Mitbegründer des Hip-Hop-Labels Def Jam, nach Vorwürfen sexueller Übergriffe die Leitung seiner Firmen ab. Er werde sich aus seinen Unternehmen zurückziehen, schrieb Simmons in einer Erklärung, die am Donnerstag von dem Branchenblatt „Hollywood Reporter“ veröffentlicht wurde. Darin entschuldigt er sich für „gedankenloses und unsensibles“ Verhalten in einigen seiner Beziehungen. Er sei aber nie gewalttätig geworden, führte Simmons weiter aus.

Die Drehbuchautorin Jenny Lumet (50, „Rachels Hochzeit“) hatte zuvor angebliche Übergriffe des Musikproduzenten beschrieben. Als 24-Jährige sei sie von ihm in New York sexuell belästigt worden. Sie habe diesen Vorfall lange verschwiegen und erst jetzt, nach Bekanntwerden sexueller Vorwürfe gegen Prominente wie Harvey Weinstein, darüber gesprochen.

Simmons war zuvor schon von einem Model wegen sexueller Vergehen im Jahr 1991 beschuldigt worden. Mitte November schilderte die Frau in der „Los Angeles Times“ angebliche Übergriffe, als sie 17 gewesen sei. Simmons reagierte auf die Veröffentlichung mit einem Statement auf Twitter, in dem er Anschuldigungen von nicht-einvernehmlichem Sex energisch zurückwies. Def Jam gehört mit Künstlern wie Kanye West und Q-Tip zu den wichtigsten Hip-Hop-Labeln Amerikas.

Mittlerweile beschäftigt sich auch das Repräsentantenhaus mit dem Problem sexueller Übergriffe und beschloss ein Training für alle Abgeordneten zur Vermeidung solcher Fälle. Ab kommendem Jahr müssen alle 435 Abgeordneten sowie deren Mitarbeiter an entsprechenden Seminaren teilnehmen, entschied die Kammer am Mittwoch. Der Senat hatte bereits Anfang November für eine ähnliche Resolution gestimmt.

Die Ermittlungen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein, dessen mutmaßliche Übergriffe die Debatte ins Rollen gebracht hatten, hielten an. Die Polizeibehörden in New York, Los Angeles und London arbeiteten gemeinsam zu den Vorwürfen gegen Weinstein, sagte der New Yorker Ermittler Robert Boyce dem Radiosender WCBS. Mit Hilfe von Telefondatensätzen und Dokumenten von Unternehmen versuche die Polizei, die einzelnen Vorfälle der Reihe nach zu rekonstruieren. Das erfordere Zeit, sagte Boyce.

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  • dpa
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