Nacktfotos
Harrys Kronjuwelen und die Pressefreiheit

„Harry grabs the crown jewels“ titelte die „Sun“, zeigte jedoch statt des nackten Prinzen bloß einen Mann, der das Original-Foto nachstellte. Nun veröffentlicht sie es doch – entbrennt einen Streit über Pressefreiheit.
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LondonNach drei Tagen heißer Debatten in britischen Zeitungsredaktionen hat die Boulevardzeitung „The Sun“ am Freitag eines der Prinz Harry Nacktfoto aus Las Vegas, die über Digitale Medien bereits um die Welt gingen, groß auf ihrer Titelseite publiziert. „Diese Prinz Harry Fotos sind ein entscheidender Test für Großbritanniens freie Presse“, schreibt die Sun in einem Kommentar, der auf der Titelseite beginnt. Dabei stellte sich die Zeitung als Fürsprecher der 23 Prozent Briten hin, die keinen Internet Anschluss haben. Auch diese Menschen hätten das Recht „an der nationalen Konversation über Harry“ teilzunehmen.

„Die Sun trifft kein moralisches Urteil über Harry“, heißt es. „Wir sind nicht dagegen, dass Harry hin und wieder die Haare herunterlässt. Für uns geht es um die Freiheit der Presse“. Tausende von Websites hätten die Bilder ins Netz gestellt. Auch irische Zeitungen, die in Nordirland verkauft werden, hätten die Fotos nachgedruckt, begründet die Sun ihren Schritt.

Im für die Prinzen zuständigen St.James’s Palace betonte man, die Frage der Veröffentlichung solcher Fotos sei eine Sache der Zeitungsherausgeber. „Wir haben unsere Ansicht über Prinz Harrys Recht auf eine Privatsphäre deutlich gemacht. Die Presse reguliert sich selbst. Damit ist die Entscheidung über die Veröffentlichung in letzter Instanz Sache der Chefredakteure“, kommentierte ein Sprecher. St. James’s Palace und die Selbstregulierungsbehörde der Presse, die Press Complaints Commission (PCC) hatten britischen Medien gebeten, die Fotos nicht zu veröffentlichen.

Auseinandersetzungen zwischen den britischen Boulevardzeitungen und den Palästen sind nichts Neues. Die Veröffentlichung der Nacktbilder von Prinz Harry sind in Großbritannien deshalb so umstritten, weil die Untersuchung der britischen Presseethik durch Richter Brian Leveson ein hohes Maß an Verunsicherung geschaffen hat.

Hackerangriffe und Polizistenbestechung, die Untersuchung der Presseethik, Zweifel an der Effizienz der Selbstregulierung und die Aussicht auf mögliche gesetzgeberische Eingriffe, die die Druckpresse unter eine noch stärkere Aufsicht stellen würde als die unregulierte Konkurrenz aus dem Internet – die Zeitungsredaktionen fühlen sich eingeschüchtert. Verfechter eines stärkeren Schutzes der Privatsphäre sind dagegen mutiger geworden. St.James’s Palace müsse die Sun nun verklagen, um Klarheit zu schaffen, fordern Befürworter.

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