Nächster Weltjugendtag in Sydney
Papst vor schwierigen Gesprächen

Nach den Audienzen für deutsche Politiker dürfen die nächsten Termine für den Papst gespannter verlaufen. Benedikt XVI. will sich noch mit Vertretern moslemischer Organisationen in Deutschland treffen. Da der Papst einen EU-Beitritt der Türkei ablehnt, dürften ihn kritische Fragen treffen. Erwartet wird, dass sich der Papst auch zum Terrorismus äußert. Unterdessen wurde bekannt, dass der nächste Weltjugendtag in Sydney sein wird.

HB KÖLN. An seinem dritten Besuchstag in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. in Köln Spitzen der deutschen Politik zu Audienzen empfangen. Details der Unterredungen wurden zunächst nicht bekannt. Ein Sprecher von Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, es sei eine private Audienz gewesen, deswegen werde es darüber keine Auskunft geben. Schröder hatte den Papst in der aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrten erzbischöflichen Residenz in der Kölner Innenstadt, in der Benedikt während seines viertägigen Aufenthalts wohnt, am Vormittag aufgesucht.

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel sagte im ZDF, sie sei sehr froh, den Papst getroffen zu haben. Wie alle Deutschen sei sie stolz darauf, dass ein Deutscher Papst geworden sei. Der Papst sprach auch mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Benedikt sei sehr gut aufgelegt und freue sich, in Köln zu sein, sagte ein Sprecher des katholischen Weltjugendtages über die Treffen. Einzelheiten nannte er nicht.

Nächstes Treffen in Sydney

Unterdessen wurde bekannt, wo der nächste große katholische Weltjugendtag stattfinden wird: 2008 wird sich die Jugend der Kirche im australischen Sydney treffen. Das berichtete Radio Vatikan. Papst Benedikt XVI. wird traditionsgemäß beim Abschlussgottesdienst des Kölner Weltjugendtages am Sonntag zum nächsten Treffen einladen. Er hatte Sydney als Pilgerstadt einer Australierin aber schon bei einem Essen bestätigt. Die Weltjugendtage finden seit 20 Jahren statt, bislang meist in Rom und zugleich dezentral in den Diözesen.

Der Marsch der mit Schlafsäcken und Isomatten ausgerüsteten Pilger zum Marienfeld hat bereits am Morgen begonnen. Der Papst wird am Abend auf dem Gelände mit rund 400 000 jungen Menschen eine Nachtandacht feiern will. Am Sonntag werden dort weitere 400 000 Pilger zur großen Abschlussmesse des Weltjugendtags erwartet. Die Bahn hat alle Reserven mobilisiert, um die Pilgerströme in Richtung Marienfeld bei Köln zu bewältigen. „Alles, was rollt, ist im Einsatz“, sagte ein Bahn-Sprecher. Rund 400 Züge sollten insgesamt im Tagesverlauf in Richtung Bahnhof Horrem westlich von Köln starten. Von dort aus müssen die Weltjugendtagsbesucher noch einige Kilometer zu Fuß gehen.

Auch alle Fernverkehrszüge wurden am Morgen für die Pilger freigegeben. Sie hielten bei Bedarf außerplanmäßig auch auf Bahnhöfen wie in Leverkusen und Solingen, wo tausende Pilger auf Mitfahrt warteten, sagte Bahnsprecher Frank Gassen-Wendler. „Wir passen uns den Pilgern an.“ Zusätzlich zu den Sonderzügen, die bereits im Einsatz seien, stünden weitere Züge bereit.

„Die Pilger ziehen singend und Fahnen schwenkend auf das Feld. Die Stimmung ist hervorragend, die medizinische Lage absolut stabil“, berichtete Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser. Polizeikräfte steuerten den Zugang zu den Gleisen an zahlreichen Kölner Bahnhöfen, um ein Chaos zu vermeiden. Zudem waren Shuttlebusse von mehreren Punkten in der Innenstadt aus in Richtung Marienfeld unterwegs.

Zehntausende Pilger in der gesamten Region brachen unterdessen zum Marienfeld zwischen Kerpen und Frechen auf, wo Benedikt am Abend ein Nachtgebet abhalten wollte, zu dem rund 650 000 Pilger erwartet wurden. Zuvor wollte sich der Papst mit Vertretern einiger moslemischer Organisationen in Deutschland treffen. Die Atmosphäre dürfte dabei gespannter sein als bei den Zusammenkünften mit Juden und Protestanten in den vergangenen Tagen. Vor seiner Wahl zum Papst hatte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger klar gemacht, dass er einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union (EU) ablehnt. Die Türkei solle eine Zukunft im Kreis islamischer Nationen anstreben, nicht in der EU, die christliche Wurzeln habe, hatte Ratzinger dem französischen Magazin „Le Figaro“ gesagt. Die Türkei habe sich immer im Gegensatz zu Europa befunden, eine Verbindung wäre daher ein Fehler.

Auf dem Marienfeld, einem ehemaligen Tagebaugelände bei Köln, will der Papst am Sonntagmorgen auch eine Messe zelebrieren. Zu diesem Höhepunkt des Weltjugendtages werden rund 800 000 Pilger erwartet. Viele von ihnen werden bereits zum Nachtgebet anreisen und auf dem rund 270 Hektar großen Gelände übernachten. Auf dem Areal sind zahlreiche Rettungsstellen eingerichtet worden, außerdem soll das Gepäck der Pilger aus Sicherheitsgründen stichprobenartig kontrolliert werden. Rund 8000 Polizisten und private Sicherheitskräfte sind im Einsatz.

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