Namen auf dem Petersplatz verlesen
Vatikan spricht fast 500 „Märtyrer“ selig

Der Vatikan hat am Sonntag fast 500 Katholiken selig gesprochen, die während des spanischen Bürgerkriegs getötet wurden. Es war die größte Seligsprechung in der Geschichte der Kirche. Die Zeremonie auf dem Sankt Petersplatz in Rom weckte bei vielen Spaniern jedoch auch bittere Erinnerungen.

HB ROM. Kardinal Jose Saraiva Martins, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, verlas am Sonntag die Namen der 498 Seligen vor tausenden Pilgern auf dem Petersplatz. Die meisten von ihnen wurden zu Beginn des Krieges 1936 von Anhängern der demokratisch gewählten Regierung getötet.

Im Spanischen Bürgerkrieg standen sich die gewählte linksgerichtete Regierung und die rechtsgerichteten Kräfte von General Francisco Franco gegenüber. Franco gewann schließlich die Oberhand und herrschte mit Unterstützung der katholischen Kirche fast 40 Jahre lang über das Land. Viele Linke betrachteten die Institution der Kirche als ein Symbol für Wohlstand, Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Die Kirche schätzt, dass zwischen 1931 und 1939 fast 7 000 Geistliche getötet wurden.

Bei den Opfern, die am Sonntag seliggesprochen wurden, handelte es sich um zwei Bischöfe, 24 Priester und viele Mitglieder religiöser Orden. Das Vatikan erklärte sie zu Märtyrern und umging damit die Bestimmung, dass den Verstorbenen zunächst ein Wunder zugeschrieben werden muss, bevor sie seliggesprochen werden können.

Papst Benedikt XVI. zeigte sich nach der Messe den Pilgern auf dem Petersplatz. Er erklärte, die Seligsprechung habe gezeigt, dass die Märtyrerschaft „eine realistische Möglichkeit für das ganze christliche Volk“ ist.

In Spanien wurde Kritik am Zeitpunkt der Zeremonie laut. In dieser Woche will das Parlament ein von der sozialistischen Regierung vorgelegtes Gesetz verabschieden, das eine symbolische Wiedergutmachung für die Opfer des Krieges und der Franco-Diktatur vorsieht. Zum ersten Mal wird damit das Regime offiziell verurteilt. Kritiker erklärten, der Vatikan handele aus politischen Motiven und wolle mit seiner Seligsprechung die Regierung treffen. Die Kirche erklärte dagegen, die Zeremonie könne erst jetzt stattfinden, weil der Papst vor zwei Monaten die Unterzeichnung der Dekrete abgeschlossen habe.

Zu dem Akt waren auch zehntausende spanische Pilger angereist. Einige von ihnen äußerten die Hoffnung, dass die Kirche noch mehr unternehmen werde, um die Spaltung ihres Landes hinsichtlich des Krieges zu überwinden. „Es wäre wichtig, dass es auch etwas für die andere Seite gäbe, da auch Priester getötet wurden, die gegen Franco waren“, sagte der 71-jährige Alberto Rodriguez Gracia aus Madrid. Die spanische Kirche sammelt bereits seit Jahrzehnten Beweise dafür, dass Hunderte ihrer Mitglieder während des Krieges für ihren Glauben gestorben sind und damit für eine Seligsprechung in Frage kommen. Wenn im Zusammenhang mit Gebeten zu den Seliggesprochenen Wunder berichtet werden sollten, könnte für einige von ihnen auch eine spätere Heiligsprechung in Betracht gezogen werden.

Der Vatikan sprach seit Ende der 80er Jahre fast 500 Geistliche selig, die im Krieg getötet wurden. Die Seligsprechung gilt als Vorstufe für die Heiligsprechung.

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