Natascha Kampusch
„Es war wirklich grauenvoll“

Zwei Wochen nach der Flucht vor ihrem Entführer hat Natascha Kampusch erstmals vor laufender Kamera ihren Leidensweg während der achtjährigen Gefangenschaft geschildert. Die junge Frau spricht dabei aber nicht nur über Hunger und Hoffnung, sondern denkt schon wieder an andere Menschen.

HB WIEN. Der österreichische Fernsehsender ORF2 strahlte am Mittwochabend ein 40- minütiges Gespräch mit der 18-Jährigen aus, das zeitversetzt auch bei RTL zu sehen war. Natascha Kampusch verblüffte mit großer Klarheit, als sie ihre Überlebensstrategie schilderte: „Ich habe mit meinem späteren Ich einen Pakt geschlossen, dass es kommen würde und das kleine Mädchen befreien.“

Inzwischen gehe es ihr „den Umständen entsprechend gut“, sagte die selbstbewusst wirkende junge Frau. „Ich möchte reisen, zum Beispiel mit meiner Familie auf Kreuzfahrt“, sagte Kampusch. Außerdem wolle sie das Abitur nachholen und vielleicht auch ein Buch über ihre Entführung schreiben. Sie plane auch, eine Stiftung für verschwundene Frauen in Mexiko zu gründen und Geld für hungernde Kinder zu spenden, „da ich weiß, wie entwürdigend und demütigend Hunger ist“, sagte Kampusch. „Ich habe in meiner Gefangenschaft auch sehr oft gehungert.“ Dann schmerze jedes Geräusch, und jeder Gedanke quäle sich nur noch heraus.

Während des gesamten Gesprächs im Fernsehstudio saß sie mutig und entschlossen in einem weißen Sessel. Sie wirkte selbstbewusst, aber auch angespannt. Auf Fragen antwortete sie ausführlich, gewählt und sehr präzise, häufig schloss sie dabei die Augen, mehrmals war sie nahe daran, in Tränen auszubrechen. Sie zeigte sich dezent geschminkt und in modischer Kleidung; das rötlichblonde Haar der blassen Frau war mit einem lila Tuch zurückgebunden. Sie trug Jeans, eine lilafarbene, bestickte Bluse und um den Hals eine rote Kette mit einem silbernen Anhänger.

Während ihrer achtjährigen Gefangenschaft in einem Verlies unter der Garage des Kidnappers Wolfgang Priklopil bei Wien habe sie „immer wieder getüftelt an dem Punkt, zu dem die Zeit reif ist. Ich konnte aber nichts riskieren“, sagte sie der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ und der österreichischen Info-Illustrierten „News“ zu lange gehegten Fluchtplänen.

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