Nationalheldin
Forscher untersuchen Jeanne d'Arc

Sechs Monate lang werden die mutmaßlichen Überreste der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc, die 1431 auf dem Scheiterhaufen starb, nach allen Regeln der medizinischen Kunst untersucht. Eine umfassende genetische Analyse sowie anatomische und Röntgenuntersuchungen der im Scheiterhaufen in Rouen aufgesammelten „Knochen und Hautreste“ kündigte der Mediziner Philippe Charlier nach einem Bericht der Tageszeitung „Le Parisien“ vom Montag an.

HB PARIS. Was von der 19-jährig verbrannten Jungfrau von Orléans übrig geblieben sein könnte, wurde konserviert und ist im Besitz des Erzbistums Tours.

Jeanne d'Arc fühlte sich von Stimmen vor allem dazu berufen, Frankreich im Hundertjährigen Krieg von den Engländern zu befreien. In englische Gefangenschaft geraten, wurde „Jeanne la Pucelle“ als Zauberin und Ketzerin zunächst zu lebenslänglicher Haft verurteilt und später verbrannt. Von den Franzosen verherrlicht, wurde ihre Verurteilung 1456 kirchlich aufgehoben und Jeanne d'Arc Anfang des 20. Jahrhundert erst selig- und dann auch heilig gesprochen.

Der Rechtsmediziner Charlier hat Erfahrung mit ebenso schwierigen wie spektakulären Untersuchungen. Im vergangenen Jahr war es seinem Team gelungen, die Todesursache von Agnès Sorel (1422 - 1450), der Geliebten Karls VII. von Frankreich, zu ermitteln. Charlier wies nach, dass sie an einer Quecksilbervergiftung starb, konnte jedoch nicht mehr ermitteln, ob es ein Unfall oder ein Giftmord gewesen war.

„Man weiß kaum etwas von Jeanne d'Arc, wir haben noch nicht einmal ein Porträt, nur eine vage Zeichnung auf einer der Akten“, erläutert Charlier. Diese Lücken könnten zur Mythenbildung um die Jungfrau von Orléans beigetragen haben. Nach einer Legende soll ihre Asche in die Seine geworfen worden sein, wobei ihr Herz aber wie durch ein Wunder unversehrt blieb. Im Herbst will Charlier mehr darüber sagen können.

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