Naturkatastrophe
Nach dem Beben droht in China jetzt die Flut

Die Angst geht um im Erdbebengebiet vor einer Riesenflutwelle. Über 30 Erdbeben-Seen haben sich gebildet.Die Behörden bereiten eine Massenevakuierung von 1,3 Millionen Menschen vor, weil Dämme zu bersten drohen.

PEKING. Drei Wochen nach dem schweren Erdbeben in Südwestchina ist die Lage vor Ort keineswegs entspannt. Mit Sorge verfolgen die Menschen in der betroffenen Region die Entwicklung an einem großen "Beben-Stausee", der sich durch Erdrutsche nördlich der zerstörten Stadt Beichuan gebildet hat. Aus Angst vor einer Riesenflutwelle sind bereits Hunderttausende aus der Gefahrenzone gebracht worden; 1,3 Millionen Menschen wurden auf eine Evakuierung vorbereitet.

Die Einsatzleitung meldete gestern, der in den vergangenen Tagen geschaffene 475 Meter lange Kanal, mit dem die Wassermassen kontrolliert abgelassen werden sollen, sei fertig. Ab Sonntagabend könne der kritische Pegelstand erreicht werden, hieß es.

Ein Vertreter des zuständigen Wasserministeriums erklärte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, man werde nun nicht wie ursprünglich geplant Löcher in den Damm sprengen. Das Dynamit sei wieder entfernt und die ersten Soldaten, die tagelang an dem aufgestauten See in Tangjiashan gearbeitet hatten, abgezogen worden. Gestern waren noch rund 20 Soldaten als Wache an dem Damm, so die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Durch heftige Regenfälle war der Wasserstand des "Beben-Stausees" am Jia-Fluss in den vergangenen Tagen rund 1,60 Meter pro Tag gestiegen. Der natürlich entstandene Staudamm droht unter dem Druck der großen Wassermassen zu bersten.

Selbst wenn der künstliche Überlauf gelingt, ist die Gefahr von Flutwellen im Erdbebengebiet aber keineswegs gebannt. Inzwischen haben sich 33 "Erdbeben-Seen" gebildet, die fast alle zu bersten drohen.

Experten befürchten zudem Umweltkatastrophen. Mehr als 130 Chemie-Fabriken im Erdbebengebiet wurden als Risiko eingestuft, zudem versuchen Spezialtrupps fieberhaft "99 radioaktive Quellen" zu bergen - um welche Quellen es sich handelt, teilten die Behörden nicht mit. Es könne sich etwa um Röntgengeräte in zerstörten Krankenhäusern handeln, erklärten Experten. In der Nähe der vom Erdbeben stark betroffenen Stadt Mianyang werden jedoch geheime Militäreinrichtungen vermutet, die sich auch mit nuklearer Technik befassen sollen. Chinas Behörden hatten kurz nach dem Beben bekannt gegeben, dass alle Atomkraftwerke und nuklearen Einrichtungen in der Region sicher seien.

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