Naturschutz

Jede dritte Art in Deutschland ist gefährdet

Das Bundesamt für Naturschutz bezeichnet den Zustand der Artenvielfalt in Deutschland als „alarmierend“. Die Landwirtschaft stelle die Hauptgefahr für die Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen da.
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Die Biber-Population ist eine der positiven Nachrichten für die Artenvielfalt in Deutschland. Insgesamt aber ist die Situation laut dem Bundesamt für Naturschutz „alarmierend“. Quelle: dpa
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Die Biber-Population ist eine der positiven Nachrichten für die Artenvielfalt in Deutschland. Insgesamt aber ist die Situation laut dem Bundesamt für Naturschutz „alarmierend“.

(Foto: dpa)

BerlinDie Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Pilzen in Deutschland ist stark bedroht. Rund ein Drittel der untersuchten Arten sind in ihrem Bestand gefährdet, wie aus dem am Mittwoch erstmals vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Berlin vorgelegten Artenschutz-Report hervorgeht. Die Behörde machte vor allem die intensive Landwirtschaft für die Entwicklung verantwortlich und forderte mehr Anstrengungen, um die Artenvielfalt zu erhalten.

„Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend“, erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Das nationale Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, werde bisher verfehlt. „Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen.“

Deutschland beherbergt dem Bericht zufolge insgesamt rund 48.000 Tierarten, 9500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. In der sogenannten Roten Liste wurde bei rund 32.000 heimischen Tieren, Pflanzen und Pilzen untersucht, ob und wie gefährdet sie sind. Rund 31 Prozent wurden dabei als bestandsgefährdet eingestuft, vier Prozent sind bereits ausgestorben.

Von den untersuchten 11.000 Tierarten sind dem Report zufolge 30 Prozent im Bestand gefährdet und fünf Prozent bereits ausgestorben. Bei den wirbellosen Tieren, zu denen auch Insekten zählen, gilt sogar fast die Hälfte (45,8 Prozent) der rund 6000 untersuchten Arten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben.

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Die Gefährdung der Artenvielfalt geht laut dem Bundesamt vor allem von der intensiven Landwirtschaft aus. Einfluss haben demnach zudem die Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Der Klimawandel spiele noch keine große Rolle. Das BfN geht aber davon aus, dass dessen Einfluss bei fortlaufender Klimaänderung zunehmen wird.

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