Neo Magazin Royale: Böhmermann landet Coup mit Varoufakis-Video

Neo Magazin Royale
Böhmermann landet Coup mit Varoufakis-Video

Jan Böhmermann ist mit seiner vermeintlichen Manipulation des Stinkefinger-Videos von Yanis Varoufakis ein Coup gelungen. Mit der Satire foppte der ZDF-Moderator fast einen Tag lang die deutsche Öffentlichkeit.
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Das „Stinkefinger-Video“ des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis hat erneut für viel Wirbel gesorgt. Nachdem der gereckte Mittelfinger des Griechen in einem bei Günther Jauch gezeigten Video Empörung hervorrief, behauptete Moderator Jan Böhmermann am Mittwoch: Stimmt alles gar nicht, das Video sei von seiner Redaktion manipuliert worden. „Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein“, warnte Böhmermann in einem vorab veröffentlichten Ausschnitt aus seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ mit einem breitem Grinsen in Richtung Jauch, ZDF und „Bild“-Redaktion.

Dass das am Sonntag gezeigte Video mit Varoufakis aber tatsächlich keine Fälschung von Böhmermann ist, stellte der Mainzer Sender am Donnerstag klar. Die Äußerungen von Böhmermann wurden unmissverständlich als Satire-Aktion gekennzeichnet.

„Das „Neo Magazin Royale“ ist eine Satiresendung. Die Redaktion hat die Debatte über das Varoufakis-Video nach der Ausstrahlung in der Jauch-Talkshow satirisch zugespitzt“, teilte das ZDF mit. „Dafür haben Jan Böhmermann und seine Redaktion die Möglichkeiten der Video-Manipulation sehr anschaulich dargestellt.“

5,2 Millionen Zuschauer hatten die Jauch-Sendung am Sonntag gesehen, danach wurde heiß diskutiert. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Volker Kauder, bezichtigte Varoufakis der Lüge. Und Varoufakis selbst? Der behauptete in der Sendung, dass der Film, der während einer Konferenz in Kroatien 2013 entstanden war, bearbeitet worden sei – es handele sich um eine Fälschung.

Gegen den Griechen sprach der Satz „stick the Finger to Germany“ (zeige Deutschland den Finger), der passend zum gehobenen Finger ausgesprochen wurde. Böhmermann sagt nun, dass der Satz zwar gefallen sei – der Finger sei aber nie nach oben gegangen. „Aber wer faked denn so was?“ fragte Böhmermann zum Lachen aus dem Publikum. Jener Satz Varoufakis sei für sein Team erst Inspiration gewesen.

Dann zeigte der Moderator wie die angebliche Fälschung vonstatten gegangen sein soll. Ein Videotechniker kam zu Wort: Man habe Varoufakis Unterarm bearbeitet, den Schatten angepasst, ein Double eingesetzt, und mit Tricks wie Bewegungsunschärfe gearbeitet. Böhmermann freute sich höllisch über seine angebliche Ente - und überließ am Ende des Videos den Zuschauern die Entscheidung, was denn nun echt, was unecht sei: „Müssen Sie entscheiden, welches das Original ist.“

Varoufakis selbst lobte Böhmermann auf seinem Twitter-Account. „Humor, Satire und Selbstironie sind großartige Lösungsmittel für blinden Nationalismus. Wir Politiker brauchen Sie dringend.“ Von der Redaktion von Günther Jauch forderte der griechische Finanzminister eine Entschuldigung.

Varoufakis selbst hatte allerdings am Montag via Twitter auf ein Interview auf „FAZ.net“ verwiesen. Darin schildert der Organisator der Konferenz in Zagreb, dass Varoufakis den Mittelfinger zwar gezeigt habe, die Szene in der Sendung von Günther Jauch allerdings aus dem Zusammenhang gerissen worden sei.

Jauchs Produktionsfirma I&U TV forderte Böhmermann und das ZDF auf, Beweise für ihre Behauptung zu liefern. Sie könne in Böhmermanns Beitrag keinerlei Belege für die Fälschungs-Behauptung entdecken und halte an der Einschätzung von Experten fest, die das Video als authentisch einstuften. Laut einem Bericht der „Bild“ will das ZDF am Mittag bekanntgeben, dass es sich bei dem Bericht des „Neo Magazins“ lediglich um eine Satire handelt.

Am Donnerstagvormittag reagierte Böhmermann via YouTube in einer Stellungnahme auf die Debatte. Sein Bericht sei „zu 100 Prozent echt“, erklärt der Moderator. Als Entschuldigung sollten Günther Jauch und die Redaktion der „Bild“-Zeitung die Euro-Zone „umgehend verlassen“, sagt Böhmermann in dem wackeligen Video. „Niemals würden wir die notwendige journalistische Debatte über ein zwei Jahre altes Video und all diejenigen, die diese Debatte ernsthaft öffentlich führen, derart skrupellos der Lächerlichkeit preisgeben.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es zeigt sich einmal mehr das die Medienmacher jeden Respekt und anstand verloren haben.
    Pfui!!!!

  • Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht. Es war Satire - und es war lustig. Wir können uns doch nicht hinstellen und vereint "je suis charlie" grunzen, wenn eine Religionsgemeinschaft durch den Kakao gezogen wird und bei so einem PillePalle fordern einige, dass der Mann in den Knast kommt. Das ist lächerlich. Ich bleibe dabei: Satire darf alles - zum Glück.

  • Prima, dass diese Geschichte soviel Wirbel auslöst ! Schon ganz schön schwach, dass sich unsere öffRechtlichen überhaupt auf die Thematisierung eines solchen Schwachsinns einlassen ! Gut auch, dass es überbezahlte Qualitätsjournalisten wie Herrn Jauch gibt. Ist auch richtig, dass diese Leute noch viel mehr mit Ihrem Schwachsinn verdienen, wie manch ein hoch bezahlter Unternehmensvorstand.

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