Neue Lebensmittelskandale
Fipronil in Eierprodukten, Glyphosat im Speiseeis

Lebensmittelskandale und kein Ende: Der Unkrautvernichter Glyphosat wurde im Speiseeis „Ben and Jerry's“ nachgewiesen. Zudem stehen nun auch eihaltige Tiefkühlprodukte im Verdacht, mit Fipronil verseucht zu sein.
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BerlinSpuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat haben Wissenschaftler in Speiseeis-Proben aus Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern gefunden. „Untersuchungen aus Frankreich und Großbritannien weisen darauf hin, dass der Glyphosatgehalt aus den meisten Proben von „Ben and Jerry's“ Eiscreme wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellt“, sagte der Forscher Gilles-Eric Séralini am Dienstag in Brüssel. Er stellte seine Forschungsergebnisse dort auf einer Pressekonferenz der Grünen im Europäischen Parlament vor.

Der US-Wissenschaftler John Fagan sagte, in 13 von 14 untersuchten Eisproben habe man Glyphosat in einer Konzentration von bis zu 1,23 Nanogramm pro Milliliter gefunden. Fagan untersuchte „Ben and Jerry's“ Eis aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Parallel getestete Bio-Eiscreme habe kein Glyphosat enthalten, sagte er.

Ben & Jerry schrieb am Donnerstag in einer Mitteilung an Kunden: „Du kannst dir sicher sein, dass unsere Produkte völlig bedenkenlos verzehrt werden können und die nachgewiesenen Glyphosatspuren deutlich unter allen US-amerikanischen und europäischen Grenzwerten liegen.“ Um auf den festgelegten Grenzwert zu kommen, müsse ein 34 Kilogramm wiegendes Kind müsste 120.500 Portionen á 100ml am Tag essen, rechnet der Eisherstller vor. „Wir wissen zwar dass Ben & Jerry´s gut schmeckt, aber soviel schafft dann doch wirklich keiner!“, heißt es weiter.

Auch Ben&Jerry's-Hersteller Unilever betonte, die nachgewiesenen Glyphosatspuren lägen deutlich unter allen Grenzwerten, die in den USA und Europa gälten. „Unsere Produkte sind sicher und können bedenkenlos verzehrt werden“, erklärte Unilever weiter. Glyphosat werde weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt und sei in nahezu allen Lebensmitteln zu finden, sogar im Regenwasser.

Aktuelle Testmethoden seien so detailliert, dass sich selbst die kleinsten Mengen im Labor feststellen ließen. Der Konzern kaufe für das Eis Fair-Trade-Produkte ein und unterstütze eine nachhaltige Landwirtschaft: „Wir wissen aber auch, dass es noch viel zu tun gibt.“

Der Forscher Séralini meinte, die offiziellen Grenzwerte seien überholt: Auch Glyphosatwerte, die zehnmal unter den festgestellten Konzentrationen lagen, hätten in Versuchen bei regelmäßigem Verzehr ernste Leber- und Nierenerkrankungen ausgelöst.

Verbraucherschützer sagten bei der Pressekonferenz, die Substanz sei vermutlich über die Milch konventionell gehaltener Kühe in die Eiscreme gelangt. Auch das Getreide der Kekse in dem Eis könne das Unkrautvernichtungsmittel enthalten. Séralini ergänzte, Glyphosat könne auch Wasser verseuchen.

Auch der Fipronil-Skandal ist noch nicht beendet: Das für Lebensmittel verbotene Insektizid ist einer Zwischenbilanz des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge bislang auch in 103 eihaltigen Lebensmitteln festgestellt worden. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ fiel das unerlaubte Insektengift bei der Untersuchung von Proben auf, die im Sommer nach Bekanntwerden des Fipronil-Skandals angeordnet wurden.

Bis Ende Oktober sollen deutschlandweit fast 800 Proben von Ei-Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten genommen werden. Bislang wurden dem Bericht zufolge 473 Analysen vorgenommen. Bei 25 der 103 positiv getesteten Produkte lagen die Werte über dem Grenzwert.

Das Insektengift Fipronil war im Sommer in mindestens 45 Ländern in Millionen von Eiern aufgetaucht, auch in 26 der 28 EU-Staaten. Das Mittel soll illegal gegen Schädlinge in Ställen eingesetzt worden sein.

In den Niederlanden hatten Behörden schon voriges Jahr Hinweise darauf, im Sommer fanden belgische Behörden dann tatsächlich Spuren von Fipronil in Eiern. Die Öffentlichkeit erfuhr aber erst mehr als zwei Wochen später davon, als am 20. Juli über das EU-Schnellwarnsystem RASFF die anderen Mitgliedstaaten informiert wurden. Viele Eier waren da schon gegessen und in Ei-Produkten verwendet worden.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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