Neue Richtlinie
New York soll leiser werden

New York kann ohrenbetäubend sein. Doch ab Juli soll die Metropole am Hudson River zumindest ein bisschen leiser werden: Dann treten neue Richtlinen für Lärm in Kraft - gültig für alle Geräuschquellen vom Presslufthammer über bellende Hunde bis zur wummernden Disko. Dass „die Stadt, die niemals schläft“, tatsächlich ruhiger wird, ist allerdings zu bezweifeln.

HB NEW YORK. Ein Taxifahrer in Manhattan kämpft sich mit Dauerhupen durch den Berufsverkehr, ein paar Straßen weiter schaltet ein Rettungswagen die Sirene ein, und in der U-Bahn wird das Kreischen der Bremsen fast noch von der Hiphop-Musik einer Amateur-Tanzgruppe übertönt. Ab Juli ist all das nun streng reglementiert. Zum ersten Mal seit mehr als 30 Jahren wurden die Regelungen überarbeitet, nachdem Beschwerdeanrufe über den ständigen Lärm in den vergangenen Jahren stetig zugenommen haben. 2005 gab es 38 660 solcher Klagen, im vergangenen Jahr 41 856. Allein an einem Juni-Wochenende gingen bei der Hotline der Stadt fast 5 000 Beschwerden ein. An erster Stelle steht tagsüber Baulärm, gegen Abend nerven die Anrufer vor allem Hundegebell und laute Klimaanlagen.

Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) empfiehlt zwar einen Grenzwert von 75 Dezibel. Erheblicher Stadtverkehr bringt es aber in der Regel auf 85 Dezibel, die Sirene eines Rettungswagen auf 120, und in der U-Bahn ist man durchschnittlich gut 90 Dezibel ausgesetzt. Viele New Yorker würden die ständige Lärmkulisse schon gar nicht mehr wahrnehmen, sagt die Gesundheitsexpertin Robyn Gershon von der Columbia-Universität. „Aber sie beeinträchtigt die Gesundheit. Sie hat Auswirkungen auf Herz und Gefäße und raubt einem den Schlaf. Außerdem kann man taub werden“, warnt Gershon.

Den neuen Richtlinien zufolge verstoßen Bars oder Clubs gegen Lärmvorschriften, sobald die Musik in gut viereinhalb Metern Entfernung „schmerzhaft“ zu hören ist. Hundebesitzern drohen Bußgelder zwischen 75 und 175 Dollar (55 bis 130 Euro), wenn ihr Tier mehr als zehn Minuten tagsüber und mehr als fünf Minuten nachts bellt. Bauunternehmen müssen Maßnahmen zum Lärmschutz vorlegen.

Ob die neuen Richtwerte wirklich etwas bringen, bezweifeln dennoch viele, darunter Bar-Besitzer Erik Foss: „Ich weiß nicht, wie man hier für Ruhe sorgen kann. Es wäre nicht New York, wenn es still wäre.

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