Neue Studie
Fernsehen oftmals der Grund für schlechte Noten

Die Persönlichkeit der Kinder wird durch viel zu frühe Heranführung an die neuen Medien nicht mehr ausreichend gefördert.

HB HAMBURG. Ein Fernseher im Kinderzimmer führt einer neuen Studie zufolge bereits in der Grundschule zu Notenproblemen. Jungen und Mädchen der vierten Klasse mit einem eigenen Bildschirm „haben deutlich schlechtere Schulnoten in Deutsch, Mathematik und Sachkunde“, heißt es in einer Analyse des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Die Untersuchung fußt auf einer repräsentativen Befragung von rund 6 000 Grundschülern aus sechs Bundesländern.

„Damit sind Schulleistungen stärker vom TV-Konsum abhängig als vom sozialen Hintergrund“, sagt der Leiter der Forschungseinrichtung, Christian Pfeiffer. Je früher Jugendliche regelmäßig vor dem Fernseher säßen, umso schlechter seien „der spätere Lernerfolg und der Schulabschluss - mit Ausnahme der Hochbegabten“, ergänzt der Wissenschaftler.

Laut der Studie hat bereits fast jeder vierte Schulanfänger sowie 30 Prozent der 15-Jährigen einen eigenen Fernseher. In den neuen Bundesländern sei die Quote sogar noch höher. Dass übermäßiger Fernsehkonsum zu Schulproblemen bei Jugendlichen führen kann, wies das Institut bereits in früheren Studien nach.

Laut der vorgelegten Untersuchung dämpfen auch der Konsum brutaler Videospiele die schulische Leistungsfähigkeit von Grundschülern. „Wer von nicht-jugendfreien Spielen die Finger lässt, ist schon als Zehnjähriger eine Note besser als diejenigen, die sie regelmäßig spielen“, erläutert der frühere Justizminister Niedersachsens.

„Die Untersuchung“, sagt Pfeiffer weiter, „zeigt im Hinblick auf die Pisa-Studie auch weitere Gründe für das schlechtere Abschneiden des Nordens, der Migranten sowie der männlichen Jugendlichen in Deutschland. Überall dort stehen mehr Playstations und Fernseher in den Kinderzimmern.“ Gründe für dieses Phänomen nannte er nicht.

Verantwortlich für exzessiven Fernsehkonsums von Kindern sei die „viel zu frühe“ Heranführung an die neuen Medien. „Wir sehen mit Sorge, dass Erzieherinnen in Kindergärten heute zwar mit dem Computer, dafür aber nicht mehr mit der Gitarre umgehen können“, betont der Forscher. Dadurch werde die Persönlichkeit der Kinder nicht mehr ausreichend gefördert. Der Forscher widerspricht damit Annahmen, dass frühester Umgang mit TV und Computer hilfreich im Hinblick auf die späteren technischen Anforderungen an Kinder sein kann.

Fast jedes zweite Kind gab an, es könne - ungefragt und so lange es will - fernsehen oder Videospiele spielen. Dabei benötigten Kinder bei der Auswahl geeigneter Fernsehsendungen und Computerspiele „die Aufmerksamkeit und Unterstützung von Erwachsenen“, empfiehlt Pfeiffer. Die Studie soll Ende Mai offiziell vorgestellt werden.

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