Neuer Erzbischof von Köln
„Wir reduzieren niemanden auf seine Sexualität“

Rainer Maria Kardinal Woelki ist der neue Erzbischof in Köln. An diesem Samstag wird Woelki offiziell eingeweiht. Das Bistum lockt mit Freibier. Doch kann der Kardinal die Erwartungen der Kölner auch erfüllen?
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Ein halbes Jahrhundert herrschte im Kölner Bistum ein erzkonservativer Ton, angeführt von Joachim Kardinal Meisner. Er polarisierte, war oft für keinen Dialog bereit und überschritt mit seinen scharfen Äußerungen gerne Grenzen.

Etwa wenn er Abtreibungen mit den Verbrechen der Nazis verglich oder katholische Familien über muslimische stellte. Bei den Hardlinern der Kirche kam das gut an, die Liberaleren kämpften gegen ihn und die Medien ließen oft kein gutes Haar an ihm. Das ist nun Geschichte.

Bereits im Juli hat der Papst Rainer Maria Kardinal Woelki zum neuen Erzbischof erwählt. An diesem Samstag wird Woelki nun bei einer feierlichen Messe im Kölner Dom ins neue Amt eingeführt. Tausende erleben das Pontifikalamt des neuen Kardinals hautnah mit.

Auf Großleinwand zeigt die Kirche das Spektakel im Public Viewing auf dem Roncalliplatz, zudem überträgt der Westdeutsche Rundfunk die Messe live im Fernsehen (10.30 Uhr). Danach gibt es für alle Gäste Freibier. Eingeladen sind auch NRW-Ministerin Hannelore Kraft und der Kölner Oberbürgermeister Wolfgang Roters.

Der Abschied aus Berlin falle dem 58-jährigen Kardinal sehr schwer, sagte Woelki bei seiner Abschiedsmesse in Berlin. Berlin sei für ihn zu einer zweiten Heimat geworden. Auch die Berliner werden ihn vermissen. So nannte Klaus Wowereit Woelkis Weggang einen „Verlust für Berlin“. Doch als der Papst den Kardinal vor drei Jahren in die Hauptstadt sandte, sah das noch anders aus.

Zu Beginn seiner Amtszeit sorgte der ehemalige Geheimsekretär Meisners mit seinen homophoben Äußerungen für Aufruhr in der Hauptstadt. Der gebürtige Kölner galt als erzkonservativ. Das änderte sich. Überraschend suchte der 58-Jährige den Dialog mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbands, setzte sich für humanitäre Asylpolitik ein und protestierte gegen einen Abschiebeknast am Schönefelder Flughafen.

Die Medien gingen freundlich mit ihm um, bezeichneten ihn als „Fürsprecher der Armen“ oder auch als „Anti-Protz-Bischhof“. In der Tat führte Woelki in der Hauptstadt einen schlichten Lebensstil. Der Kardinal lebte in einer Altstadtwohnung im Arbeiterviertel Wedding, verzichtete auf großen Prunk und fuhr von dort regelmäßig mit der Bahn oder mit dem Rad zur Arbeit.

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