Neuer Gammelfleisch-Skandal
Fleisch seit vier Jahren abgelaufen

Neuer Gammelfleisch-Skandal in Deutschland: Die Polizei in München stellte bei einem Großhändler tonnenweise abgelaufenes Fleisch sicher. Der Händler hatte Fleisch ins das gesamte Bundesgebiet verkauft.

HB MÜNCHEN / ESSEN / OLDENBURG. Wie das Münchner Kreisverwaltungsreferat am Donnerstag mitteilte, waren darunter mehrere Tonnen Döner-Spieße und rund 360 Kilogramm Wild- und Geflügelfleisch. Die Haltbarkeitsdaten waren teils um vier Jahre überschritten. Unterdessen erhob die Staatsanwaltschaft Essen Anklage unter anderem wegen Betrugs gegen einen Gelsenkirchener Fleischhändler. Er soll tonnenweise Gefrierfleisch, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, gekauft, in Lagerhäusern in Hamburg und Melle (Niedersachsen) zwischengelagert und an Fleischverarbeiter weiter verkauft haben, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Der Hinweis auf den Großhändler in München kam von der Polizei im oberbayerischen Gröbenzell. Dort hatte das Gesundheitsamt erst in dieser Woche ungenießbare Lebensmittel beanstandet. Die Kühl- und Geschäftsräume des Münchner Betriebes wurden geschlossen und versiegelt. Die Münchner Polizei bildete eine Sonderkommission „Kühlhaus“. Acht Beamte ermitteln die Handelswege der Firmenware und ob verdorbene Ware in den Verkehr gelangt ist. Die Döner-Abnehmer seien im gesamten Bundesgebiet angesiedelt. Alle 16 Mitarbeiter des geschlossenen Münchner Betriebes würden vernommen.

Die städtische Ordnungsbehörde beauftragte Veterinäre und Lebensmittelüberwacher mit den Untersuchungen der sichergestellten Ware. Der Kühlhauskomplex im Münchner Osten werde weiter gemeinsam mit dem staatlichen Veterinäramt und der Polizei untersucht, hieß es. Auch die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet worden. Stadtdirektor Horst Reif sagte: „Wir sind entschlossen, mit aller Härte gegen derartige Praktiken vorzugehen, um die Bürgerinnen und Bürger vor dem Verzehr von Ekel erregendem und gesundheitsschädlichem Gammelfleisch zu schützen.“

Der Gelsenkirchener Fleischhändler soll auch 315 Tonnen Stichfleisch vom Schweinehals, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist, weiterverkauft haben. In diesem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen einen fleischverarbeitenden Betrieb im Kreis Vechta (Niedersachsen). Es sei davon auszugehen, dass die Firma gewusst habe, dass es sich um Stichfleisch handelte, sagte Staatsanwalt Bernard Südbeck und bestätigte einen Bericht im „Westfalen-Blatt“ (Donnerstag). Die Lieferscheine seien mit Deckbezeichnungen wie „Schweine Trimmings“ ausgestellt worden. Stichfleisch darf nach den gesetzlichen Bestimmungen nur für Hundefutter oder technische Fette verwendet werden.

Die Staatsanwaltschaft Essen wirft dem Gelsenkirchener Großhändler, der bereits 1994 seine Einzelhandelslizenz für Lebensmittel wegen Unzuverlässigkeit hatte abgeben müssen, seit 2002 eine Reihe schwer wiegender Verfehlungen vor. Unter anderem soll der gelernte Metzgermeister 1,4 Tonnen Straußenfleisch als Rindfleisch weiter verkauft haben. Auch 7,5 Tonnen Spanferkel, das wegen minderer Qualität nur noch als Tierfutter geeignet gewesen wäre, soll er für den menschlichen Verzehr in den Handel gebracht haben.

Der Lebensmittelbetrieb in Gröbenzell wird trotz Etikettenschwindels und Handels mit ungenießbaren Waren nicht geschlossen. „Die Firma darf unter Auflagen weitermachen“, sagte Landrat Thomas Karmasin am Donnerstag der dpa. Zur Bedingung habe das Landratsamt gemacht, dass die Geschäftsführung ausgewechselt und ein EDV-gestütztes System zur Waren-Rückverfolgung eingeführt wird. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass fünf von 43 untersuchten Proben Grund zur Beanstandung gaben. Der Verzehr der Lebensmittel sei für die Verbraucher aber nicht gefährlich gewesen.

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