Neuer Vorstoß beim Berufungsgericht
Tod der Komapatientin wohl nicht mehr zu verhindern

Der Tod der amerikanischen Komapatientin Terri Schiavo ist nach einer Serie gerichtlicher Niederlagen für die Eltern abzusehen. Ein Bundesbezirksgerichter in Tampa hatte auch am Freitag erneut eine Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung abgelehnt. Darauf riefen Mutter und Vater nach Medienberichten ein weiteres Mal das Bundesberufungsgericht in Atlanta an.

HB WASHINGTON. Rechtsexperten hielten auch den erneuten Gang der Eltern an den Obersten Gerichtshof der USA für möglich, räumten aber beiden Vorstößen keinerlei Chancen ein.

„Schachmatt“ - so charakterisierte der angesehene Jurist Alan Dershowitz die Lage am achten Tag ohne Essen und Trinken für die schwer gehirngeschädigte Terri Schiavo, die nach Angaben ihrer Geschwister bereits starke Anzeichen von Austrocknung (Dehydration) zeigt. Nach Schätzungen von Ärzten könnte sie bereits in den nächsten Tagen sterben.

Angesichts des sich abzeichnenden Todes enthüllten Rechtsvertreter von Ehemann Michael Schiavo inzwischen die Pläne für die Beisetzung der 41-Jährigen. Danach hat ein Gericht einen Vorstoß der Eltern zurückgewiesen, eine Einäscherung ihrer Tochter zu verbieten, wie sie vom Ehemann gewünscht wird. Mutter und Vater hatten argumentiert, Terri würde als Katholikin keine Einäscherung wollen. Michael Schiavo hält an einer Kremierung fest und will die Urne im Schiavo- Familiengrab im Bundesstaat Pennsylvania beisetzen.

Unterdessen wird die Auseinandersetzung um das Schicksal der Frau immer emotionaler und schärfer. Vater Bob Schindler erklärte, die Richter in den USA seien auf einem „Feldzug mit dem Ziel, unsere Tochter zu töten“. Einer der führenden Aktivisten der religiösen Rechten, Randall Terry, warnte, es werde Rache geben, sollte Terri Schiavo sterben. Er schilderte weiter, ihre Schwester habe nach einem jüngsten Besuch am Krankenbett gesagt, Terri Schiavo sehe mittlerweile aus, „als wäre sie gerade aus Auschwitz gekommen“. Ihr Gesicht zeige klare Anzeichen von Hunger und Durst, und ihre Augen seien eingefallen.

Der Bruder von Ehemann Michael Schiavo, der darum kämpft, seine Frau sterben zu lassen, sagte demgegenüber, Terri sehe friedlich aus. Es sei ganz offensichtlich, dass sie nicht leide. Jetzt, da sich Ostern nähere, sei es Zeit, „Terri in Frieden gehen zu lassen“, hieß es in einer Erklärung von George Felos, dem Anwalt des Ehemanns.

Der Bundesbezirksrichter in Tampa, James Whittemore, war von den Eltern am Donnerstag mit der Begründung eingeschaltet worden, bisher seien neue Erkenntnisse über den Zustand ihrer Tochter nicht geprüft und ihr damit rechtswidrig Überlebenschancen genommen worden. Während der Richter sich in der Nacht zum Freitag mit dem Fall beschäftigte, wurde die Umgebung des Gerichtsgebäudes in Tampa abgeriegelt, weil ein verdächtiger Rucksack in der Nähe des Gebäudes entdeckt worden war. Spezialeinheiten brachten ihn zur Explosion, doch er stellte sich als harmlos heraus. In Tampa versuchte unterdessen ein Mann in einem Waffenladen eine Pistole zu stehlen und begründete dies damit, dass er Terri Schiavo retten wolle.

Vor Whittemores Spruch hatte bereits der Bezirksrichter George Greer es am Donnerstag abgelehnt, die Kranke in staatliche Obhut zu übergeben. Gouverneur Jeb Bush, der Bruder von US-Präsident George W. Bush, hatte dies mit der Begründung angestrebt, es gebe neue Erkenntnisse darüber, dass Terri Schiavos Zustand nicht so schlimm sei wie von der Gegenseite dargestellt. Er berief sich dabei auf einen Neurologen, der die Kranke aber nicht direkt untersucht, sondern im Wesentlichen Videoaufzeichnungen ausgewertet hatte.

Nach dem Scheitern bei Greer hatte auch das höchste Gericht Floridas den Antrag abgewiesen. Vor dem Gouverneurssitz in Tallahassee begannen Demonstranten mit einer Mahnwache, um den Gouverneur dazu zu bringen, in letzter Minute nach neuen Wegen für eine Lebenserhaltung der Kranken zu suchen. Zuvor hatte Jeb Bush selbst Hoffnungen der Eltern Schindler gedämpft, er könne trotz der Gerichtsbeschlüsse die Tochter aus dem Hospiz in Clearwater holen und dann in staatlicher Fürsorge die Wiederernährung einleiten. Er werde nichts tun, was über seine Befugnisse als Gouverneur hinaus gehe, sagte Bush.

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