Neues Drama im Mittelmeer
700 Tote bei Flüchtlingsunglück befürchtet

Wieder ist im Mittelmeer ein Schiff mit Hunderten von Flüchtlingen verunglückt. Die Rettungskräfte suchen in der See vor der libyschen Küste schon seit Stunden nach Überlebenden. Doch es gibt nur wenig Hoffnung.
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RomIm Mittelmeer hat sich in der Nacht zum Sonntag eine weitere Flüchtlingskatastrophe ereignet. Beim Untergang eines Flüchtlingsschiffes vor der Küste Libyens sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vermutlich rund 700 Menschen umgekommen. 28 Menschen sind der italienischen Küstenwache zufolge gerettet worden. Sollten sich die Angaben bestätigen, wäre dies eine der schwersten Flüchtlingskatastrophen, die sich in den vergangenen Jahren im Mittelmeer ereignet hat.

Das Unglück ereignete sich knapp außerhalb libyscher Gewässer 120 Meilen südlich der italienischen Insel Lampedusa. Nach Angaben einer UNHCR-Sprecherin berichteten Überlebende, dass möglicherweise weit mehr als 700 Menschen an Bord des Schiffes gewesen seien. Das Boot sei gekentert, weil die Flüchtlinge nach Sichtung eines Handelsschiffes in der Hoffnung auf Rettung durch deren Besatzung alle auf eine Seite des Schiffes gelaufen seien. Die italienische Küstenwache und die italienische Marine leiteten eine großangelegte Suche ein.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) befürchtet die schlimmste Flüchtlingskatastrophe der jüngeren Vergangenheit in der Region. Sollte sich die Bilanz bestätigen, würde sie das Ausmaß der Katastrophe von Lampedusa von 2013 noch übertreffen, sagte ein UNHCR-Sprecher am Sonntag in Genf. Im Oktober 2013 waren vor der italienischen Mittelmeerinsel mindestens 366 vor allem aus Somalia und Eritrea stammende Flüchtlinge ertrunken, als ihr Boot Feuer fing und kenterte.

Die Flucht über das Mittelmeer wird für immer mehr Menschen zur Todesfalle. Rund 20.000 Flüchtlinge haben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration in diesem Jahr Italien erreicht. Das sind zwar weniger als in den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres, die Zahl der Ertrunkenen hat sich aber verneunfacht. Mit dem neuen Unglück stieg die Zahl der umgekommenen Flüchtlinge auf über 1500 seit Jahresbeginn.

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