Neun Menschen getötet
Finnland nach Amoklauf im Schock

Der zweite Amoklauf an einer Schule innerhalb eines Jahres hat Finnland schwer getroffen. Gilt doch das Schulsystem des Landes als vorbildlich. Doch Dramen wie das von Kauhajoki haben nichts mit dem Schulsystem zu tun. An die eigentliche Wurzel des Problems hat sich Finnlands Regierung bislang noch nicht gewagt.

STOCKHOLM. Noch ist der Schrecken nicht verarbeitet, noch die Wunden nicht geheilt, da muss Finnlands Regierungschef Matti Vanhanen erneut eine Krisensitzung einberufen. Wieder hat ein Schüler an einer Schule in Westfinnland wild um sich geschossen, hat mindestens neun Mitschüler getötet und das Land in einen neuen kollektiven Schockzustand versetzt. Warum? Wieso? – das sind die Fragen, die seit Dienstagmogen erneut an jedem Arbeitsplatz, in jeder Familie, an jeder Schule diskutiert werden.

Es war gegen 11 Uhr am Dienstag, als ein 22jähriger Schüler der Berufsschule im kleinen Kauhajoki an der finnischen Westküste das Schulgebäude betrat. Er hatte eine Waffe bei sich und soll nach Augenzeugenberichten direkt begonnen haben, um sich zu schießen. Die schnell herbeigeeilte Polizei kam dennoch zu spät: Neun Mitschüler starben im Kugelhagel. Polizisten konnten den jungen Mann schließlich daran hindern, auch seinem eigenen Leben ein Ende zu bereiten.

Der Schüler verletzte sich allerdings durch einen Kopfschuss lebensgefährlich und wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. An der Berufsschule für Gastronomie, Tourismus und den Pflegebereich waren zum Tatzeitpunkt rund 200 Schüler anwesend. Warum der Mitschüler das Feuer eröffnete, weiß bislang niemand. War es Vereinsamung, war es Mobbing? Finnland rätselt – erneut.

Denn der neuerliche Fall trägt schreckliche Parallelen zu dem Schuldrama im November vergangenen Jahres. Damals hatte ein 18jähriger Schüler in der finnischen Kleinstadt Tuusula sechs Mitschüler, die Schulleiterin, eine Krankenschwester und anschließend sich selbst erschossen. Und es gibt weitere Überschneidungen: In Tuusula wie jetzt in Kauhajoki legten die Täter vor ihrer Wahnsinnstat ein Video ins Internet, aus dem zumindest die tiefe Verzweiflung der jungen Menschen hervorging. Und im aktuellen Fall war sogar die Polizei vorgewarnt, hatte den Täter ein paar Tage zuvor bereits verhört, aber dann nichts unternommen.

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