Neuropsychologie
Das Geheimnis der Superhirne

Telefonbücher auswendig lernen, Stadtpanoramen detailgetreu aus dem Gedächtnis zeichnen oder in kurzer Zeit eine Hand voll Sprachen lernen. Sind dergleichen Fähigkeiten auch dem Normalhirn möglich? Schlummert in uns allen das unentdeckte Genie? Im Prinzip ja.

Der Alltag ist doch immer wieder voller Überraschungen: Weltbewegende Neuigkeiten etwa werden in den Randspalten hinterer Zeitungsseiten verkündet oder laufen fast unbemerkt auf entlegenen Sendeplätzen.

Neulich zum Beispiel in einer Wissenschaftssendung namens „Expedition ins Gehirn“. Forscher versuchen mit neuesten bildgebenden Verfahren der Computer-Tomographie dem Geheimnis von Menschen mit sensationellen Sonderbegabungen, so genannten Savants, auf die Spur zu kommen.

Savants, französisch für Wissende oder Wissenschaftler, sind Menschen, von denen manche einen normalen Alltag kaum bewältigen. Über die Hälfte von ihnen gelten als Autisten.

Doch sie lernen spielend Telefonbücher auswendig, können einmal gesehene Stadtpanoramen detailgetreu aus dem Gedächtnis zeichnen, in kurzer Zeit eine Hand voll Sprachen lernen, mehrere Fachbücher pro Tag lesen und Wort für Wort behalten oder Zehnerpotenzen schneller als ein Computer im Kopf rechnen.

Die Frage der Wissenschaftler: Sind dergleichen Fähigkeiten im Prinzip auch dem Normalhirn möglich? Schlummert in uns allen das unentdeckte Genie? Die Antwort in vereinfachter Form vorweg: Im Prinzip ja, sie machen ihr Leben lang vor allem das, was sie interessiert.

Natürlich war es nicht ganz so einfach. Genau genommen hat der Neuropsychologe Thorsten Fehr, der an den Universitäten Bremen und Magdeburg die Fähigkeiten von Savants erforscht, hochkomplexe Sachverhalte erklärt. Darunter allerdings auch ein vergleichsweise einfaches Beispiel zur Gedächtnisleistung.

„Versuchen Sie mal etwas, was Sie überhaupt nicht interessiert, wie eben ein Telefonbuch, auswendig zu lernen“, sagt Fehr. „Ihre Konzentration wird nach wenigen Zeilen kapitulieren. Der Hauptgrund: Ihr Gehirn ist im Hintergrund mit viel spannenderen Fragen beschäftigt. Der etwa, was die Kollegen nach unserem gerade erst abgegebenen Statement auf dem Flur von ihnen denken.“

Wir erlauben uns, einschlägige Beispiele anzufügen: die Ankündigung eines dreiwöchigen Besuchs der Schwiegermutter, die anstehende Steuerprüfung oder der zufällig erhaschte Blick auf den Eintrag „Candlelight-Dinner mit Giovanni“ im Taschenkalender unserer Angebeteten, an einem Datum während unserer nächsten Geschäftsreise. Der große Vorteil Inselbegabter: Sie nehmen dergleichen Probleme oftmals gar nicht erst wahr, haben andere Leidenschaften, konzentrieren sich von früh an vor allem auf das, was sie besonders gut können, was ihnen daher Genuss verschafft.

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