New Orleans erneut bedroht „Rita“ verliert etwas an Kraft

Was da auf die US-Küste zuwirbelt ist zumindest derzeit noch der drittstärkste Sturm, der jemals in den USA beobachtet wurde - obwohl Hurrikan "Rita" am Donnerstagabend wieder in die zweithöchste Kategorie zurückgestuft wurde. Texas und Louisana wurde bereits der Notstand ausgerufen, eine Millionen Menschen werden zwangsevakuiert. Alarmstimmung herrscht auch wieder in New Orleans.
"Rita" nimmt Kurs auf Texas. Foto: dpa

"Rita" nimmt Kurs auf Texas. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Monster-Hurrikan "Rita", der inzwischen in die höchste Kategorie 5 eingestuft wurde, nähert sich bedrohlich der Küste von Texas. Auf der Flucht vor dem Hurrikan "Rita" steckten zehntausende Texaner am Donnerstag in Monsterstaus. Auf den Autobahnen landeinwärts von Houston staute sich der Verkehr auf einer Länge bis 160 Kilometer. Nach Angaben des Nationalen Hurrikanzentrums hat sich der Sturm über dem Golf von Mexiko etwas abgeschwächt und ist in die zweithöchste Kategorie vier herabgestuft worden.

Die Behörde warnte zugleich, "Rita" werde zwar vermutlich auch in den nächsten 24 Stunden noch etwas mehr Kraft einbüßen, jedoch "ein äußerst gefährlicher Hurrikan bleiben". Zuletzt wurden Windgeschwindigkeiten von 240 Stundenkilometern gemessen. Die Meteorologen erwarteten, dass "Rita" am Freitagabend oder Samstagmorgen (Ortszeit) auf die texanische Küste trifft. Präsident George W. Bush rief am Mittwoch bereits vorsorglich für Texas und Louisiana den Notstand aus. Damit ist unbürokratische Bundeshilfe möglich.

Der betroffene Ort Galveston wird nicht zum ersten Mal schwer von einem Wirbelsturm getroffen. Die kleine Stadt hat 58 000 Einwohner und liegt auf einer Insel vor der Küste. Im Jahr 1900 war sie Schauplatz der bisher größten Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten, als tausende Einwohner der Stadt durch einen Hurrikan ums Leben kamen. "Rita" könnte die inzwischen evakuierte Stadt vollständig überfluten. Die Stadtverwaltung rechnet mit Flutwellen bis 15 Meter Höhe - Galveston ist jedoch nur durch einen 5 Meter hohen Damm geschützt.

Insgesamt wurde für über eine Million Menschen in niedrig gelegenen Küstenabschnitten von Texas eine Zwangsevakuierung verfügt. Betroffen sind davon auch Teile der Millionenstadt Houston. Einige hundert Stadtbusse stünden für die Evakuierung bereit, sagte Frank Michel, Sprecher von Bürgermeister Bill White. Die Autobahnen seien als Evakuierungsrouten ausgezeichnet worden. Und entlang der Routen würden Schutzräume zur Verfügung stehen, sagte Michel dem lokalen Sender KTRH. Fernsehberichten zufolge gibt es bereits lange Staus auf texanischen Autobahnen. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, sagte unterdessen: "Es gibt keinen Grund zur Panik." Man sei gut vorbereitet und habe derartige Katastrophenfälle oft geübt. Medienberichten zufolge befinden sich in Texas 5000 Nationalgardisten in Bereitschaft. Die für die bemannte Raumfahrt zuständige Nasa-Bodenzentrale, das Johnson Space Center, wurde geschlossen und die Kontrolle über die Internationale Raumstation ISS der "Mission Control" in Russland übertragen.

Der Leverkusener Bayer-Konzern schließt wegen des Hurrikanes seine Anlagen im texanischen Baytown in der Nähe von Houston. Die Anlagen gehörten zu der Konzernsparte MaterialScience, teilte ein Sprecher am Donnerstag in Leverkusen mit. Im Teilkonzern MaterialScience hat Bayer seine Chemie- und Kunststoffgeschäfte zusammengefasst. Die Anlagen in Baytown beschäftigten rund 1 100 Mitarbeiter, hieß es.

Der Direktor des Hurrikanzentrums, Max Mayfield, warnte, dass "Rita" sich noch schlimmer auswirken könne als "Katrina", die vor dreieinhalb Wochen in Louisiana - vor allem in der Metropole New Orleans - und in Mississippi verheerende Verwüstungen angerichtet hat. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei mehr als 1000, dürfte aber noch deutlich ansteigen, da die Bergungsarbeiten noch andauern. Sollte Galveston, eine Inselstadt mit etwa 60 000 Einwohnern vor Houston, direkt getroffen werden, könnte sie zum größten Teil oder sogar ganz überflutet werden, sagte Mayfield.

Alarmstimmung herrschte wieder in New Orleans. Nach den Überflutungen durch "Katrina" wächst die Sorge, dass "Rita" auch noch bei einem Vorbeizug in größerer Entfernung so viel Regen und Sturm bringen könnte, dass die strapazierten Dämme nicht halten. Vor diesem Hintergrund hatte Bürgermeister Ray Nagin die am Montag eingeleitete Rückführung von tausenden geflüchteten Einwohnern ausgesetzt. Mit Hochdruck wurde an einer Verstärkung von Dämmen gearbeitet.

Wo genau "Rita" das Land erreichen wird, lässt sich nach Angaben des Hurrikanzentrums möglicherweise erst am Freitag sagen. Noch sei von Nordmexiko bis zum südwestlichen Louisiana alles möglich. Der amtierende Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement, David Paulison, erklärte, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. So seien beispielsweise bereits dutzende Lastwagen mit Fertigmahlzeiten und Wasser sowie medizinische Fachleute vor Ort. Das Pentagon sei mit der Einrichtung von Lazaretten beauftragt.

"Rita" ist bereits der 17. Sturm der diesjährigen Hurrikan-Saison im Atlantik, die noch bis zum 30. November anhält. Seit beginn der Aufzeichnungen gab es nur drei Jahre, in denen mehr Stürme auftraten. Rekordjahr ist 1933 - damals gab es 21 Hurrikans.

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