New Orleans zu 99 Prozent evakuiert
Zwei Millionen Menschen fliehen vor „Gustav“

Erste Ausläufer von Hurrikan Gustav haben die Südspitze des US-Staates Louisiana erreicht. Noch ist nicht klar, mit welcher Stärke Gustav letzlich auf die Küste treffen wird. Aber die Menschen in New Orleans haben aus dem Katrina-Desaster gelernt: Die Stadt ist nahezu vollständig evakuiert. Auch die Politik kapituliert: Die Republikaner haben ihren Parteitag de facto abgesagt.

HOUSTON. New Orleans hat sich innerhalb von 48 Stunden in eine Geisterstadt verwandelt. Nach Angaben der Behörden boykottierten weniger als 10 000 der zuletzt wieder 240 000 Einwohner den Evakuierungsbefehl. Insgesamt zwei Millionen Menschen in den Bundesstaaten Louisiana und Missisippi flüchteten aus ihren Häusern. Bis hinein nach Houston in Texas waren die Hotels mit Evakuierten aus Louisiana überfüllt. "Ich habe bei Katrina alles verloren. Als ich die Satellitenbilder sah, war für mich klar: weg hier", berichtet Sarah Keen in ihrem Hotel in Houston. Gemeinsam mit ihrer Tochter und der Enkelin sei sie den ganzen Tag auf einer Nebenstrecke unterwegs gewesen.

Hurrikan Gustav bewegte sich nach Angaben von Meteorologen schneller als erwartet auf die Küste zu. Um 02.00 Uhr (Ortszeit; 08.00 Uhr MESZ) befand sich sein Zentrum rund 275 Kilometer südöstlich von New Orleans. Gemessen wurden Windböen mit einer Geschwindigkeit von 184 Kilometern pro Stunde. Nach den jüngsten Vorhersagen soll der Wirbelsturm am Montagmittag (Ortszeit; gegen 20 Uhr MEZ) auf die Golfküste treffen.

Allerdings gab es zuletzt Hoffnung, dass Gustav weniger stark als befürchtet ist und die Schäden nicht an die Folgen von Katrina vor drei Jahren heranreichen. Nach Angaben der Wetterdienste könnte Gustav von Stufe drei auf zwei herunter gestuft werden. In diesem Fall bekäme die Stadt zwar viel Regen ab, und auch Tornados wären möglich, allerdings wäre die Brandung nicht so hoch wie bei einem direkten Auftreffen auf die Stadt. Wenn die Meteorologen Recht behalten, muss New Orleans mit Wellen von 1,80 Meter rechnen. Während des Hurrikans „Katrina“ waren die Wellen 7,60 Meter hoch.

Dennoch warnten die Verantwortlichen vor einer voreiligen Entwarnung: "Das bleibt immer noch ein sehr gefährlicher Sturm", sagte Louisianas Gouverneur Bobby Jindal. Er forderte alle noch abwartenden Menschen eindringlich auf, ins Binnenland zu flüchten.

Die Republikaner strichen als Reaktion auf den Wirbelsturm ihren Parteitag radikal zusammen. Nur die für seine eigene Nominierung und die seiner Kandidatin für das Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, notwendigen Tagesordnungspunkte würden abgehalten, sagte der Präsidentschaftskandidat John McCain. Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney hatten ihre Teilnahme bereits zuvor abgesagt. Noch-Präsident Bush will die Arbeit des Katastrophenschutzes in Texas aus der Nähe beobachten. Bush war vor drei Jahren nach seiner abwartenden Haltung und den vielen Fehlern bei der Bewältigung der Folgen von Katrina auch von McCain schwer kritisiert worden.

Seite 1:

Zwei Millionen Menschen fliehen vor „Gustav“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%