New York
Empire State Building wird 75 Jahre alt

New Yorks berühmtester Wolkenkratzer wird am 1. Mai 75 Jahre alt. Er wurde in Rekordzeit während der Weltwirtschaftskrise erbaut und ist mittlerweile ein Wahrzeichen der Stadt. Doch das war nicht immer so.

HB NEW YORK. Im September sind es schon fünf Jahre her, dass das World Trade Center in New York von Terroristen zerstört wurde – und noch immer klafft an der Stelle eine Baulücke. Bauherren und Behörden sind im Streit um die Entwürfe und die Finanzierung gelähmt. Wann der neue Hochhauskomplex einmal stehen wird, ist nicht abzusehen. Dabei war New York einmal dafür bekannt, dass dort Wolkenkratzer in Windeseile in den Himmel wuchsen. Das Empire State Building etwa, heute wieder das höchste Gebäude der Stadt, wurde am 1. Mai 1931 – vor 75 Jahren – nach nur elf Monaten Bauzeit eröffnet. Und das gelang auch noch mitten in der Weltwirtschaftskrise, die mit dem Crash an der Wall Street 1929 ihren Anfang genommen hatte. Die 3439 Arbeiter, die zeitweise auf der Baustelle schufteten, wussten alle, dass sie nach Fertigstellung des Kolossalbaus arbeitslos werden würden. Dennoch wurde das Empire State Building 45 Tage eher fertig als geplant.

Sein Erbauer, der Spekulant J.J. Raskob, hatte dem Architekten William Lamb 1929 die Frage gestellt: „Wie hoch können Sie so etwas bauen, ohne dass es umfällt?“ Lambs Antwort: 320 Meter hoch. Darauf sollte dann noch ein 61 Meter hoher Mast kommen, der als Ankerplatz für einfliegende Zeppeline aus Europa gedacht war. Nach einer nur zehnminütigen Zoll- und Passkontrolle sollten die Passagiere in Expressfahrstühlen hinunter zur Fifth Avenue fahren und sich gleich ins Einkaufsgetümmel stürzen können.

Am 22. Januar 1930 begannen die Arbeiten am Fundament. Im Frühjahr stand schon eine gewaltige Stahlkonstruktion. Damit durch die Mittagspause nicht unnötig viel Zeit verloren ging, wurden im 24., 47. und 64. Stock Kantinen eingerichtet – das ersparte das Runterfahren. Nach elf Monaten war der 85-stöckige Hauptbau fertig, im März 1931 wurden auch die Innenarbeiten beendet. Am Abend des 1. Mai, dem Eröffnungstag, drückte US-Präsident Herbert Hoover im Weißen Haus auf einen Knopf, und in Manhattan leuchtete das Empire State Building zum ersten Mal auf.

Wirtschaftlich war der „Märchenturm“ (Eigenwerbung) mit Platz für 60 000 Menschen zunächst ein Misserfolg. Bis zum Eröffnungstag war noch nicht einmal die Hälfte der Bürofläche vermietet, so dass der Bau als „Empty State Building“ verspottet wurde. Das lag nicht nur an der Wirtschaftskrise, sondern auch daran, dass der Büroturm ein ganzes Stück südlich vom Geschäftszentrum Midtown Manhattan stand und dadurch isoliert war. Auch der schöne Plan vom Luftbahnhof musste aufgegeben werden, nachdem zwei Andockversuche mit Zeppelinen gescheitert waren. Aber nach ein paar Jahren redete niemand mehr davon. Aus dem Landemast war eine Radio- und Fernsehantenne geworden.

Der etwas abgelegene Standort stellte sicher, dass das Empire State Building niemals von anderen Gebäuden verdeckt wurde, sondern sich zum Wahrzeichen der Stadt entwickelte. Vor allem aber symbolisierte das damals höchste Gebäude der Welt, dass Amerika seinen Optimismus nicht verloren hatte. Ein Zeitgenosse schrieb: „In den dunkelsten Momenten der Rezession haben wir ein Gebäude, das 380 Meter in den Himmel ragt!“

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