New Yorker Kultkneipe eröffnet neu
Der Wirt der Wall Street

Vor knapp drei Jahren schloss die berühmteste aller Kneipen im New Yorker Finanzdistrikt, Harry's Bar, seine Tore. Seit geraumer Zeit hat das legendäre Lokal für durstige Investmentbanker und Börsenhändler wieder offen. Der Klatsch und Tratsch der Makler und Händler geht also weiter.

NEW YORK. Paul Lamas erinnert sich noch ganz genau an seinen ersten Besuch bei Harry?s. "An meinem ersten Arbeitstag nahm mich mein Chef dorthin mit zum Lunch", erzählt der 46-jährige Anleihenhändler vom New Yorker Brokerhaus Roosevelt & Cross, "man konnte förmlich den Puls der Wall Street fühlen." Das war 1983.

Lamas geht seit jener Zeit fast täglich in die Bar am Hanover Square, die unweit von der New Yorker Börse im Souterrain eines schokoladenbraunen Backsteinhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegt. Der Anleihenhändler und die meisten anderen Stammkunden suchen etwas, das sie seit fast 25 Jahren nur dort finden: Harry?s gilt bis heute als der Marktplatz für Informationen und Emotionen an der Wall Street.

Wohl keine andere Kneipe im Finanzdistrikt Manhattans hat einen derart legendären Ruf. Hier haben die Investmentbanker von Goldman Sachs ihre Siege und Profite mit schottischem Whisky gefeiert, hier haben sich die Börsenhändler über ihre Verluste am "schwarzen Montag" 1987 mit deutschem Bier hinweggetröstet. Der amerikanische Autor Tom Wolfe beschreibt Harry?s in seinem Besteller "Im Fegefeuer der Eitelkeiten" als fiktiven Ort, an dem sich die Wall-Street-Banker ihre "Kriegsgeschichten" erzählen. Es war die Zeit der "Raider" und feindlichen Übernahmen, die der Filmregisseur Oliver Stone in seinem Streifen "Wall Street" festgehalten hat.

Harry Poulakakos erinnert sich mit einem Lächeln an jene Ära des Anti-Helden Gordon Gecco. "Damals wurde bis in die frühen Morgenstunden hinein gefeiert", erzählt der heute 67-jährige Gründer der Kneipen-Legende. In seiner linken Hand hält der griechische Einwanderer eine Zigarre, die er sich trotz des Rauchverbots in den New Yorker Restaurants und Bars nicht nehmen lässt.

Wie sein Lokal, so ist auch der Besitzer eine Ikone der Wall Street. Wenn er heute durch die Gaststätte geht, zwinkert er den speisenden Bankern zu. Einige stehen auf, reichen ihm die Hand, andere stellen ihn den mitgebrachten Kunden vor: "Das ist der berühmte Harry." Der genießt seinen Ruhm als Gastwirt der Wall Street, den er sich in mehr als 30 Jahren hart erarbeiten musste.

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