Niagara
Der Spielmacher

Es lässt sich nicht übersehen, dass Thomas Liesching glücklich ist. Jedenfalls jetzt, da er in der Stadtbücherei seines Heimatstädtchens Großbottwar (bei Heidelberg) steht und ihm 25 Paar Kinderohren lauschen. Thomas Liesching ist der spätberufene neue Star unter den Spiele-Autoren.

GROSSBOTTWAR. „Ah, jetz' lasse mer die Boote mal ins Wasser“, erklingt Lieschings freundlich schwäbelnde Stimme. Ungeduldige Kinderhände setzen sich in Bewegung. Der 60-Jährige verfolgt diesen Eifer mit Schmunzeln, denn in diesen Momenten spürt er, dass er es geschafft hat. Sein Spiel „Niagara“, das allererste, das er je auf den Markt gebracht hat, das ihm im Sommer 2005 gleich die begehrte Auszeichung „Spiel des Jahres“ und einen 2. Platz beim konkurrierenden Deutschen Spiele-Preis eingebracht hat, es funktioniert.

In „Niagara“ geht es darum, Edelsteine in seine Kanus zu laden und wieder ans rettende Ufer zurückzubringen, bevor der reißende Fluss die Boote mitsamt ihrer kostbaren Fracht über die Kante des gigantischen Wasserfalls schiebt. Das Prinzip haben die jungen Spieler schnell begriffen, auch die Möglichkeit, der Konkurrenz wertvolle Steine zu stehlen, wird erfreut angenommen.

Jubel und Entsetzen wechseln einander ab, und Liesching muss laut werden: „Hört noch amol her, ihr wisst ja noch garnicht, wie man gewinnt!“ Macht nichts, macht trotzdem Spaß. Der einstige Werbeleiter Liesching freut sich über die wundersame Wendung seiner Karriere als Spieleautor. Es ist, es war ein mühsames Geschäft: Zehn Jahre dauerte es von den ersten „Niagara“-Entwürfen bis zum Spiel im Laden.

Am Anfang stand die Pleite der Firma, bei der Liesching als Werbeleiter beschäftigt war, das Spiele-Tüfteln wurde zum „kreativen Ventil, ich musste ja irgendwohin mit meinen ganzen Ideen!“ Dazu kam die Faszination für Henry Hathaways Filmdrama mit Marilyn Monroe und die Idee, das Spiel müsse die Bewegung des Flusses zum Abgrund hin aufnehmen.

Liesching verfiel auf den Gedanken, Lebensretter sollten in den Fluss springen müssen, um Schiffbrüchige herauszufischen, experimentierte mit einem kleinen Laufband zum Kurbeln, tüftelte mit kleinen Bären- und Krokodilfiguren herum - und holte sich jede Menge Absagen.

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