Nicht alle heißen Vorgehen gut
Streit um Umgang mit Amoklauf-Verdacht

Das Öffentlichmachen der Warnung vor einem möglichen Amokläufer hat unterschiedliches Echo hervorgerufen. Während die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Kriseninterventionsexperte das Vorgehen der Landesregierung gut heißen, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei das Verhalten deutlich.

HB STUTTGART. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat den Umgang der baden-württembergischen Behörden mit der Warnung vor einem Amoklauf an einer Schule kritisiert. „Das hätte man so in der Öffentlichkeit nicht diskutieren dürfen“, sagte der baden- württembergische GdP-Landesvorsitzende Josef Schneider am Mittwoch in einem dpa-Gespräch in Stuttgart. „Man kann ja fast den Eindruck haben, da wird eine Katastrophe förmlich herbeigeredet.“ Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, zunächst nur die Polizeidienststellen und die Schulleitungen über die Warnung zu informieren.

Dagegen war die Warnung nach Ansicht eines Psychologen richtig. Die Ankündigung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, schließlich hätten in der Vergangenheit viele Menschen ihre Äußerungen in die Tat umgesetzt. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Eltern und Schulen aufgerufen, die Warnungen des baden-württembergischen Kultusministeriums vor einem möglichen Amoklauf an einer Schule im Südwesten ernst zu nehmen.

„Wir hoffen natürlich, dass die Drohung des unbekannten Täters nicht in die Tat umgesetzt wird. Wir raten, an allen Schulen die Ängste der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte nicht beiseite zu schieben, sondern zum Thema zu machen“, sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem am Mittwoch in Stuttgart.

Ähnlich äußerte sich Helmut Nock, Leitungsmitglied des Kriseninterventionsteams der Abteilung Schule und Bildung beim Regierungspräsidium Stuttgart. „Ich denke, dass das Öffentlichmachen gut ist“, sagte er. Ernst genommen werden sollte die Drohung auf jeden Fall. „Es wäre leichtsinnig zu sagen, da kann nichts passieren.“ Das Kriseninterventionsteam des Regierungspräsidiums sei viel häufiger im Einsatz als gedacht, etwa bei angekündigten Selbstmorden an Schulen. „Daher wissen wir, dass wir solche Hinweise ernst nehmen müssen“, sagte der Psychologe Nock.

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