Nicht immer unumstritten
Friedenspreis für Susan Sontag

Die US-Schriftstellerin und Essayistin Susan Sontag erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Reuters BERLIN. Der Preis werde während der Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober in der Paulskirche verliehen, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag mit. In einer Welt der gefälschten Bilder und der verstümmelten Wahrheiten sei Sontag für die Würde des freien Denkens eingetreten, hieß es zur Begründung. Der Friedenspreis ist mit 15 000 Euro dotiert.

Mit der 70-jährigen Sontag werde eine Schriftstellerin geehrt, deren erzählendes und essayistisches Werk den Begriff und den Wert der westlichen Kultur untersuche und verteidige, hieß es weiter. „Mit großer analytischer Schärfe hat sie seit den sechziger Jahren die Ausprägungen der dynamischen Alltagskultur und ihre Bedeutung für unsere Vorstellung von Modernität und Freiheit beschrieben.“

Aufmerksamkeit erregte Sontag vor allem durch ihre Essays, in denen sie sich unter anderem mit Kunst, Literatur und Kultur auseinander setzt. Ihr 1964 erschienener Aufsatz „Notes on Camp“ zählt heute noch zu den wichtigsten kulturtheoretischen Arbeiten des 20. Jahrhunderts. In ihrem im August erscheinenden Buch „Das Leiden anderer betrachten“ beschäftigt sie sich mit dem Thema Kriegsfotografie. Mit dem Werk ist sie dem Börsenverein zufolge „diesem unverrückbaren Ethos treu geblieben, als Zeugin einer immer noch von Kriegen heimgesuchten Epoche mutig und verantwortungsvoll auf dem Recht der Opfer zu beharren.“ Dennoch war Sontag nicht immer unumstritten. So wurde sie etwa für ihre medien- und regierungskritischen Kommentare nach den Anschlägen in den USA vom 11. September 2001 scharf angegriffen.

Ihre Karriere als Roman-Schriftstellerin begann die aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie stammende Sontag 1963 mit „Der Wohltäter“. Für „In Amerika“ wurde sie 2000 mit dem angesehenen National Book Award ausgezeichnet. Auch als Film- und Theaterregisseurin machte Sontag sich einen Namen. So inszenierte sie 1993 in dem belagerten Sarajevo die bosnische Erstaufführung von Samuel Becketts „Warten auf Godot“.

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