„Niklas“
Züge fallen weiter aus – Sturmgefahr bleibt

Neun Tote, viele Verletzte, kaputte Häuser: „Niklas“ war einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Oberleitungsschäden machen nun der Bahn Sorgen. In einigen Regionen ist weiterhin mit Ausfällen zu rechnen.
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BerlinOrkantief „Niklas“ ist zwar aus Deutschland abgezogen, es bleibt aber stürmisch. Das Luftdruckgefälle zwischen „Niklas“ über dem südlichen Baltikum und einem Hoch über der Biskaya sei so stark, das auch am Mittwoch in ganz Deutschland mit Sturmböen gerechnet werden müsse, sagte Meteorologe Stefan Bach vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. In exponierten Berglagen könne es auch wieder Orkanböen geben, allerdings nicht so stark wie am Dienstag.

Das Orkantief „Niklas“ hat ein Verkehrschaos auf Schienen und Straßen in Deutschland ausgelöst und schwere Schäden angerichtet. Mindestens neun Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz starben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Zuvor wurde von sechs Personen berichtet.

„Niklas“ war mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Er brachte am Dienstag auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinander. Heftige Böen und entwurzelte Bäume beschädigten Autos, Häuser und Stromleitungen. Tausende Haushalte waren ohne Elektrizität - oft noch bis in den Mittwoch. In der Nacht flaute der Sturm langsam ab. In Hessen und Baden-Württemberg begannen am Abend erste Aufräumarbeiten.

Auf der Schiene ging vielerorts nichts mehr. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit dem Morgen ganz. In Deutschlands größtem Bundesland Bayern wurde der Fernverkehr am Nachmittag komplett eingestellt. Anderswo rollten die Züge mit stark gedrosseltem Tempo. Für Fahrgäste, die unterwegs strandeten, stellte die Bahn am Dienstag in mehreren Städten Übernachtungszüge bereit.

„Der Orkan Niklas hat die Bahn mit voller Wucht getroffen“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. „Wichtig ist, dass wir zum Osterreiseverkehr ab Donnerstag wieder alles in Schuss haben.“

Das könnte knapp werden. „Die Sturmschäden, vor allem an den Oberleitungen sind so großflächig und erheblich, dass es noch mehrere Tage dauern kann, bis wieder alle Linien bedient werden können“, teilte die Deutsche Bahn am späten Abend mit. Auch im Regional- und Fernverkehr werde es am Mittwoch im Raum München noch Zugausfälle geben. Der Münchner Hauptbahnhof wurde geräumt, weil Dachfenster herabzustürzen drohten. Auch Privatbahnen mussten ihre Züge stehenlassen.

Auf freier Strecke zwischen Hamburg und Berlin blieb ein ICE liegen. Die Route wurde in beide Richtungen gesperrt. In einer Durchsage an die Fahrgäste hieß es in einem Zug: „Alle Fernzüge der Deutschen Bahn sind ab sofort zu Hotelzügen umfunktioniert.“

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