Nobel-Stiftung: Noble Sorgen

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Wer einen Nobelpreis überreicht bekam, wurde bisher nicht nur mit Ehre sondern auch mit zehn Millionen schwedischen Kronen belohnt. Doch die Finanzkrise hat auch das Kapital der Nobel-Stiftung nicht verschont - und gefährdet die hohen Preisgelder.
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STOCKHOLM. Es ist wie im Märchen: Unter königlichem Glanz versammelt sich alle Jahre wieder die weltweite Kultur- und Wissenschaftselite in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Alljährlich am 10. Dezember werden im Konzerthaus die Nobelpreise den glücklichen Gewinnern übergeben. Schwedens König Carl XVI. Gustaf lässt es sich nicht nehmen und überreicht die Preisurkunde, eine Medaille sowie den Scheck höchst persönlich. Die Preisträger, zumeist Herren fortgeschrittenen Alters, haben sich bereits am Vormittag mit der Zeremonie vertraut machen dürfen und mussten zusammen mit Statisten Verbeugung und rechtzeitiges „links wegtreten“ üben. Wenn dann um 16.30 Uhr der Ernst beginnt, sind sie fit.

Trotz zauberhafter Prinzessinnen und viel royalem Glanz liegt in diesem Jahr über der feierlichen Zeremonie der lange Schatten der Finanzkrise. Wie steht es um die Zukunft der Nobelpreise? Werden sich künftige Preisträger womöglich nur mit der Ehre zufrieden geben müssen?

Als der Erfinder des Dynamit, Alfred Nobel, am 10. Dezember 1896 starb, hinterließ er ein für die damalige Zeit höchst ansehnliches Vermögen von rund 1,5 Mrd. Kronen – 143 Mill. Euro nach heutigem Geldwert. In seinem Testament verfügte der Industrielle, dass ein Großteil des Vermögens für Preise angelegt wird, mit denen Personen für herausragende Leistungen auf den Gebieten Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Friedensforschung ausgezeichnet werden sollten. Der Wirtschaftspreis gehört nicht zu den Nobelpreisen, sondern wurde erst 1968 „im Gedenken an Alfred Nobel“ von der schwedischen Zentralbank gestiftet.

Wichtiger aber: Nobel hatte in seinem Testament entschieden, dass die Preisgelder nur mit den Renditen aus dem angelegten Vermögen finanziert werden dürfen. Wegen der „Ewigkeitsperspektive“, wie es der Chef der Nobel-Stiftung, Michael Sohlman nennt.

Trotz zweier Weltkriege, Währungsreformen und vielen internationalen Krisen konnte die Nobel-Stiftung das Erbe bis Anfang dieses Jahres auf 3,6 Mrd. Kronen mehr als verdoppeln. Doch dann schlug die Finanzkrise unbarmherzig zu: „Wir sind davon betroffen, unsere Rendite ist bislang in diesem Jahr negativ“, gibt Sohlman zu. Seine Stiftung hatte Anfang dieses Jahres 64 Prozent des Vermögens in vornehmlich amerikanische und europäische Aktien investiert. 20 Prozent lagen in festverzinslichen Papieren, zwölf Prozent gingen in Immobilien und Hedge-Fonds.

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