Nordkorea
Hunderte Tote bei Überschwemmungskatastrophe

Wegen einer Überschwemmung in Nordkorea sind hunderte Menschen ums Leben gekommen, vermisst und auf der Flucht. Das Land stellte einen Antrag auf Hilfe beim Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen. Auch der verfeindete Nachbar Südkorea erwägt Soforthilfe.

HB SEOUL. Hunderte Menschen sind nach heftigen Regenfällen und Überflutungen ums Leben gekommen oder werden vermisst. Dies berichteten offizielle Medien am Dienstag. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen habe von Nordkorea eine „vorläufige Anfrage“ auf Hilfe erhalten, teilte am Dienstag der für die asiatische Region zuständige WFP-Sprecher Paul Risley telefonisch aus Bangkok (Thailand) mit. Auch Südkorea erwägt nach eigenen Angaben, eine Soforthilfe für das Nachbarland aufzulegen. Die offizielle nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hatte berichtet, die Schäden nach tagelangen schweren Regenfällen und Überflutungen seit dem 7. August seien enorm.

Nach Informationen der Behörden wurden mehr als 30 000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt, wie KCNA am Dienstag berichtete. Über 60 000 Familien seien obdachlos geworden. Wichtige Eisenbahnstrecken, Straßen und Brücken seien zerstört, die Stromversorgung und die Telefonleitungen in weiten Teilen des Landes unterbrochen, zehntausende Hektar Ackerland überflutet.

Wie WFP-Sprecher Risley berichtete, ist ein UN-Expertenteam unterwegs, um sich in vier Provinzen des Landes ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Mit dem vorläufigen Hilfegesuch habe Nordkorea das WFP und andere UN-Hilfsorganisationen alarmieren und deutlich machen wollen, „dass sich die Regierung über die Ernsthaftigkeit der Krise bewusst ist“, sagte Risley. „Eine unserer größten Sorge ist die langfristige Auswirkung (des Unwetters).“ So könne die Ernte weggespült worden sein.

Nach den KCNA-Berichten ist die südliche Grenzprovinz Kangwon am stärksten betroffen. Doch auch die Hauptstadt Pjöngjang wurde von den Überschwemmungen erfasst. Die Internationale Rot-Kreuz-Föderation berichtete, ihr Mitarbeiterstab sei in Nordkorea rund um die Uhr in Notfallbereitschaft.

Südkorea erwägt nach eigenen Angaben eine erneute Soforthilfe. Der Verlust von Menschenleben und die Sachschäden seien diesmal offenbar größer als bei den Überschwemmungen im vergangenen Jahr, sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul. Auch im vergangenen Jahr hatte Nordkorea nach verheerenden Unwettern um Hilfe gebeten und sie auch erhalten. Damals war ebenfalls von hunderten Überflutungsopfern und vernichteten Ernten berichtet worden.

Die selbst erklärte Atommacht Nordkorea ist seit Jahren auf Hilfe von außen angewiesen, um die eigene Bevölkerung einigermaßen ernähren zu können. Ende März hatte der Regionaldirektor des WFP-Asien, Tony Banbury, vor einer dramatischen Verschlechterung der Lage für Millionen hungernde Menschen in dem verarmten Land gewarnt. Als eine der Ursachen für die Lebensmittelknappheit hatte Banbury die fehlende Infrastruktur in der Landwirtschaft genannt.

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