Nordosten
Tausende Tote auf Sumatra befürchtet

Nach dem schweren Erdbeben auf Sumatra ziehen Retter immer mehr Leichen aus den Trümmern - inzwischen rechnen die Behörden mit mehreren tausend Toten. Die Zahl der Todesopfer steigt fast stündlich. Wenige Tage nach dem verheerenden Taifun über den Philippinen verwüstete unterdessen ein neuer Wirbelsturm Teile den Nordosten des Inselstaats.
  • 0

HB PADANG/MANILA/APIA. Auch in den anderen Katastrophengebieten wachsen Angst und Verzweiflung. In Samoa spült die Südsee nach einem Tsunami nur noch Leichen an Land. Auf den Philippinen fliehen Tausende vor dem Taifun "Parma". Er traf am Samstag mit zerstörerischer Kraft auf das Land, das gerade erst vom todbringenden Tropensturm "Ketsana" heimgesucht wurde.

Auf Sumatra rechnet das Gesundheitsministerium inzwischen mit mindestens 1200 Toten. Bis zu 4000 Verschüttete werden unter den Trümmern vermutet. "Die Zahl der Todesopfer wird in die Tausende gehen", sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Für hunderte Menschen in drei völlig zerstörten Dörfern gebe es keine Hoffnung mehr. Auf den Samoa-Inseln hat der Tsunami vom Dienstag mindestens 189 Menschen in den Tod gerissen. In Indien starben 140 Menschen bei Überschwemmungen nach schweren Regenfällen. Deutsches Rettungsteam auf Sumatra eingetroffen

In der Erdbebenregion auf Sumatra ist die internationale Hilfe zwar in vollem Umfang angerollt, doch die Hoffnung, noch Lebende zu finden, sank mit jeder Stunde. Auch eine deutsche Such- und Rettungsmannschaft mit 24 Bergungsexperten, Notärzten und vier Spürhunden ist auf der Suche nach Überlebenden. Die Provinzregierung bat vor allem um Zelte - mindestens 10 000 Notunterkünfte würden benötigt. In vielen Gegenden fehlte es an Grundnahrungsmitteln und sauberem Wasser.

Die Zahl der Todesopfer stieg fast stündlich. Offiziell war zunächst von 535 geborgenen Leichen die Rede. Doch ein Sprecher des Krisenstabs des Gesundheitsministeriums ging am Abend bereits von etwa 1200 Toten aus, weil bei dem Beben drei Dörfer mit zusammen etwa 650 Einwohnern dem Erdboden gleichgemacht wurden. Im Dorf Aia soll eine Hochzeitsgesellschaft mit fast 400 Gästen ums Leben gekommen sein. Die Vereinten Nationen hatte schon zuvor befürchtet, dass es bei der Naturkatastrophe mindestens 1100 Tote gegeben hat.

Ein Erdbeben der Stärke 7,6 hatte das Gebiet um die 900 000- Einwohner-Stadt Padang am Mittwochabend erschüttert. Bis zu 80 Prozent der Gebäude sollen zerstört worden sein. Taifun "Parma" wütet auf Philippinen

Auf den Philippinen wurden die Menschen kurz nach dem todbringenden Tropensturm "Ketsana" erneut auf eine harte Probe gestellt. 405 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila wurden Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt - schon Stunden, bevor der Taifunwirbel am Samstagabend (Ortszeit) nahe der Stadt Santa Ana mit Spitzengeschwindigkeiten von 175 Stundenkilometern und Böen von 210 Stundenkilometern auf Land stieß. Schwere Regenfälle verwandelten Flüsse binnen Minuten in reißende Ströme. In ersten Berichten war von mindestens drei Toten die Rede. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurde ein Mann unter einem Dach begraben, ein anderer Mann und ein zweijähriger Junge wurden von den Fluten fortgerissen und ertranken.

"Der Sturm hat jetzt unsere Region erreicht, und wenn er weiter zunimmt, kann das katastrophal werden", sagte Polizeisprecher Roberto Damian der Deutschen Presse-Agentur dpa in einem Telefongespräch aus der nördlichen Provinz Cagayan. Der gefährliche Wirbelsturm war kurz vor dem Auftreffen auf die Küste leicht nach Norden abgedreht und verschonte zunächst die stark bewohnten Gebiete um die Hauptstadt Manila. Dort erholen sich die Menschen erst langsam von den schweren Schäden, die der Tropensturm "Ketsana" vor einer Woche angerichtet hatte. Mehr als 80 Prozent der Hauptstadt Manila standen unter Wasser. Dort und in den umliegenden Provinzen kamen wahrscheinlich 300 Menschen ums Leben. Drei Mio. Menschen leiden unter den Folgen der schlimmsten Überschwemmungen seit 40 Jahren. Bergungstrupps in Samoa beklagen fehlende Hilfe

Nach dem Tsunami auf den Samoa-Inseln in der Südsee stieg die offizielle Zahl der Todesopfer am Samstag auf 149 auf Samoa, 31 auf Amerikanisch-Samoa und neun auf einer abgelegenen Insel des Staates Tonga. Bergungsteams aus Neuseeland waren frustriert, weil nicht genügend Helfer und Gerät zur Verfügung standen. Viele wühlten mit bloßen Händen in einer drei Meter dicken Schicht von Schutt, Geröll, Schlamm und Bäumen, die bis zu sechs Meter hohen Wellen an die Berghänge geschleudert hatten. Das Erdbeben hatte die Stärke 8,3. Das Epizentrum lag 200 Kilometer vor der Südküste. Tausende Menschen leben nach wie vor in Zelten und unter Plastikplanen. Der neuseeländische Regierungschef John Key wurde in der Hauptstadt Apia erwartet, um der Regierung weitere Hilfe zuzusagen. 140 Tote bei Überschwemmungen in Indien

Bei Überschwemmungen nach schweren Regenfällen in Indien sind nach offiziellen Angaben mindestens 140 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 1000 Soldaten der indischen Armee, der Marine und der Luftwaffe versuchten am Samstag, tausende von Wassermassen eingeschlossene Menschen in den südlichen Bundesstaaten Karnataka und Andhra Pradesh zu retten. Helikopter warfen Lebensmittelpakete ab. Menschen waren auf die Dächer ihrer Häuser geflüchtet und warteten auf Hilfe. Es könnte noch sehr viel mehr Tote gegeben haben, sagten Mitarbeiter des Katastrophenschutzes. Insgesamt sollen drei Mio. Menschen von dem Unwetter betroffen sein.

Kommentare zu " Nordosten: Tausende Tote auf Sumatra befürchtet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%