Ob Wasserski oder Wakeboard - am Anfang braucht es Geduld und Körperbeherrschung
Hip-Hop auf der Welle

Wasserskifahren ist eine Erfahrung für sich. Der Anfänger findet sich am Anfang seiner Bemühungen, die Balance zu halten, öfter im Wasser wieder als ihm lieb ist. Die Kommentare der Zuschauer lassen dann auch nicht lange auf sich warten.

Wenn Sie immer schon mal wissen wollten, wie sich ein Affe auf dem Schleifstein fühlt, dann fahren Sie bitte zur Feldberger Seenlandschaft im Mecklenburgischen. Vielleicht treffen Sie Alfred Schipner auf dem Haussee an, vielleicht auch auf dem Breiten Luzin. Aber fast immer am Steuer seines "Ski Nautique"-Bootes, hinter dem er die Meister des Wasserskis ebenso stoisch durch die selbst gepflügten Wellen zieht wie begabte Anfänger oder, nun ja, Affen auf Schleifsteinen.

Einer von denen war der Weekend-Journal-Reporter bei seinem ersten Selbstversuch auf dem Wasser. "Haltungsnote Eins", attestierte ihm daraufhin eine Kollegin. "Wenn es nicht Wasserski wäre", fügte sie maliziös hinzu. Drei, vier Mal war der allzeit ruhige Herr Schipner zuvor gestartet, drei, vier Mal hatte sich ruckartig das Seil zwischen Bootsheck und den vorgereckten Anfänger-Fäusten des Reporters gestrafft - und drei, vier Mal hatte es den Anfänger koppheister ins Wasser gerissen.

Balance ist alles, weiß der Reporter seither. Wasserskifahren ist eine dieser Sportarten, die man als Trockenübung auf dem Schwebebalken lernen sollte - am besten in voller Montur. Vielleicht sollten sich Anfänger aber auch die Ohren verstopfen, um sich nicht von der Kakofonie der Ratgeber verwirren zu lassen, die auf der Ablegestelle durcheinander Rat geben. "Die meinen es doch nur gut", sagt Alfred Schipner so gelassen wie nachsichtig. Recht hat er.

Jedenfalls müssen sich bei den ersten Startversuchen des Reporters fremdartige Bilder ergeben haben, die an die Verknäuelungen der Laokoon-Gruppe erinnern: Mal war ein Ski zu sehen, mal zwei x-förmig gespreizte Bretter, mal schimmerte kurz ein Glatzkopf auf, mal ragte eine Faust aus dem Wasser, die eine Hantel umkrampfte, und mal fügte sich das alles zu einem wild prustenden Wassermann, der es dennoch wissen wollte.

Also noch mal: Hockstellung , die wir Wasserskifahrer etwas anders umschreiben, Arme in Kniehöhe gereckt, Knie vor die bibbernde Brust, die Doppelski aus dem Wasser ragend anwinkeln, entschlossener Blick. Der Rest - eine Mischung aus Zuversicht und Demut. Es sollte schließlich gelingen, jedenfalls halbwegs. Herr Schipner startete die "Ski Nautique" sanft, aber zügig. Das Seil straffte sich, die Skier rutschten über das Wasser, auf dem der Reporter freilich in ominöser Hockstellung verharrte.

Gischt spritzte ihm unter die Augen, irgendwie zischte alles und bullerte. Ihm schien, als würde er von außerirdischen Kräften behüpft und aller Sinne beraubt, außer dem, unbedingt die Hantel umkrampfen zu müssen. Derweil wühlte er mit seinem Hintern weite Teile des Feldberger Haussees wellenförmig auf, glitt ein bisschen und umkrampfte die Hantel umso heftiger, vom notorisch stoischen Herrn Schipner gezogen. Aber in den Stand zu kommen - das gelang ihm nicht. Er verharrte in der Hockstellung (die wir Wasserskifahrer ... und so weiter), bis ihm die Kräfte dahin schwanden. Plumps.

"Wenn man eine Weile steht, ist es ein erhabenes Gefühl", verriet Michael später, der es an diesem Tag auch zum ersten Mal versucht hatte - und prompt reüssierte. Seine erste Empfindung, sagte Novize Michael Winter (26), sei ein enormer Zug am Start gewesen, der "mit großer Kraftanstrengung ausgeglichen werden muss".

Als er nach einer kleinen Weile in eine einigermaßen stabile Fahrt gekommen sei, da habe es ihn gejuckt, auch mal ein bisschen links und rechts von der Bugwelle zu fahren. Begeistert, wenn nicht geradezu infiziert, geriet er ins Schwärmen, sprach gar vom "Geschwindigkeitskick".

Aber für motorisch unbegabte oder ängstliche Menschen sei das wohl nichts, sagte er und meinte den Reporter, der es an diesem Tag auch so gerne gehabt hätte - jenes Triumphgefühl, dem Wasser Tragfähigkeit und Rasanz zugleich zu geben und die Physik auf zwo Brettern gekonnt auszutricksen.

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