Obama erlaubte Tötung von Piraten
Marine: Kapitän war in Lebensgefahr

In einer dramatischen Rettungsaktion haben Spezialeinheiten der US-Marine den Frachterkapitän Richard Phillips aus der Gewalt somalischer Piraten befreit. Nach offiziellen Angaben gestatte US-Präsident Barack Obama dabei den Spezialeinheiten der Marine die Tötung somalischer Piraten – denn Phillips befand sich offenbar in unmittelbarer Lebensgefahr.

HB MOGADISCHU/WASHINGTON. Der zuständige Kommandeur habe dann den Einsatz befohlen, weil er von einer unmittelbaren Gefahr für das Leben des 53-Jährigen ausgegangen sei, sagte US-Vizeadmiral William Gortney am Sonntag. „Sie zielten mit ihren Kalaschnikows auf den Kapitän“, berichtete der Chef des in Bahrain ansässigen Zentralkommandos der US-Marine über die Umstände des Zugriffs. Die US-Regierung habe Verhandlungen mit den Seeräubern abgelehnt.

Die in Bahrain beheimatete Fünfte US-Flotte teilte mit, der 53-Jährige sei am Sonntag gegen 18.20 Uhr MESZ freigekommen. Drei der vier Piraten, die ihn seit Mittwoch in einem im Indischen Ozean treibenden Rettungsboot festgehalten hatten, seien bei dem Einsatz getötet worden. Der vierte wurde den Angaben zufolge gefangengenommen.

Präsident Barack Obama begrüßte die Befreiungsaktion und bekundete seine Entschlossenheit, die Piraterie am Horn von Afrika zu bekämpfen. "Ich teile die Bewunderung unseres Landes für die Tapferkeit von Kapitän Phillips und dessen selbstlosen Einsatz für seine Besatzung", erklärte Obama. Phillips sei ein Vorbild für alle Amerikaner. Er sei zudem sehr stolz über die Leistung der US-Sicherheitskräfte, erklärte Obama.

"Ich kann Ihnen sagen, dass er frei und in Sicherheit ist", teilte US-Korvettenkapitän John Daniels kurz nach der Aktion mit. Der Kapitän des US-Frachters "Maersk Alabama" ruhe sich nach einer Routineuntersuchung an Bord des Landungsschiffes "Boxer" aus. Phillips habe bereits mit seiner Familie gesprochen.

Der Fernsehsender CNN berichtete, Phillips sei kurz vor Beginn des Rettungseinsatzes über Bord gesprungen. Der Seemann hatte am Freitag einen vergeblichen Fluchtversuch unternommen. Vizeadmiral Bill Gortney bestätigte frühere Berichte, dass sich Philipps im Austausch für die 20 Besatzungsmitglieder der "Maersk Alabama" in die Gewalt der Piraten begeben hatte. Die Seeleute hatten am Mittwoch einen Angriff der Somalier abgewehrt, die das mit Lebensmitteln für Somalia beladene Schiff kurzzeitig in ihre Gewalt gebracht hatten. "Die Taten von Kapitän Phillips und der Besatzung der "Maerks Alabama' waren heldenhaft. Sie gewannen die Kontrolle über das Schiff zurück, und Kapitän Phillips begab sich selbstlos in die Hände der bewaffneten Verbrecher, um seine Besatzung zu retten", erklärte Gortney.

Phillips Arbeitgeber, die Reederei Maersk, äußerte Genugtuung über die Befreiungsaktion. Sie habe davon um 19.30 Uhr MESZ erfahren und die Besatzung des Containerschiffs informiert. "Wir freuen uns, dass Richard in Sicherheit ist und mit seiner Familie wieder vereint wird", erklärte Firmenchef John Reinhart. Die Besatzung des in Mombasa in Kenia liegenden Schiffes reagierte mit Freudentänzen auf die Nachricht und schwenkte ein Sternenbanner. "Wir sind sehr glücklich. Er ist ein Held", rief ein Seemann Journalisten zu.

"Unsere Gebete wurden zu Ostern erhört", erklärte Joseph Murphy, dessen Sohn Shane als Erster Offizier auf der "Maersk Alabama" fährt und der nach Phillips Gefangennahme das Kommando über das Schiff übernahm. "Mein Sohn und meine Familie werden für immer in der Schuld des tapferen Kapitäns Phillips bleiben." Somalische Piraten haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Schiffe gekapert und hohe Lösgelder erpresst. Seit rund einer Woche ist auch das deutsche Schiff "Hansa Stavanger" in der Gewalt von Seeräubern. Das Schiff gehört der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg. An Bord sollen sich 24 ausländische Geiseln befinden, darunter vermutlich fünf Deutsche.

Ein internationaler Verband von Kriegsschiffen, an dem auch die Deutsche Marine beteiligt ist, versucht, den Piraten Einhalt zu gebieten. Gleichwohl greifen die Seeräuber immer wieder Schiffe an.

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