Obststand kommt groß raus
Über diesen Image-Film lacht Deutschland

Eine dunkle Stimme preist die Vorzüge eines Unternehmens an. Mit emotionalen Bildern werden die Mitarbeiter vorgestellt. Was sich anhört wie jeder zweite Image-Film ist in Wahrheit die Werbung für einen Obststand in München - und wirbelt das Netz gerade ganz schön auf.
  • 2

DüsseldorfWillkommen am Obststand von Bananen-Didi am Ausgang der U-Bahn-Station Universität in München. Er ist Chief Executive Officer und Sales Manager in einem und Verkauft Produkte „Von A wie Apfel bis Z wie Zitrone.“

In seinem eigenen Imagefilm „S'Lebn is a Freid“ wirbt Dieter Schweiger für sein „Familienunternehmen mit Tradition“ und nimmt dabei wie selbstverständlich die gängige Machart der Image-Filme auf die Schippe. Vier Minuten 24 echte Gefühle.

Denn egal ob Autounternehmen, Stromkonzern oder Brauerei, viele Unternehmen versuchen, sich mit Image-Filmen ins rechte Licht zu rücken. Dabei folgen sie gerne dem bekannten Schema: Eine beruhigende Stimme, angenehme Hintergrundmusik und der Versuch, Manager und Mitarbeiter als „ganz normale“ Personen in den Vordergrund zu stellen. Gemixt mit beeindruckenden Kameraschwenks und Fahrten durch das Unternehmen oder einer Naheinstellung mit den vergilbten Bildern aus dem Fotoalbum des Traditionsbetriebs – zack, fühlt sich der Verbraucher der Marke gleich viel näher.

Klischeehafte Slogans, leere Worthülsen und abgedroschene Werbephrasen: auch bei „Obststandl Didi“ greift dieses Schema perfekt. Hinter dem Film steckt die Münchener Produktionsfirma al Dente Entertainment, die anstelle der Schema F-Unternehmensfilme mal einen Ein-Mann-Betrieb in den Vordergrund rücken wollte – jedoch mittels altbekannter Erzähltechniken. Es sollte quasi die Mutter aller Imagefilme werden. Als Protagonisten wählten sie Dieter „Didi“ Steiger, bekannter Obst- und Gemüsehändler an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität.

Das Konzept ist aufgegangen. Dank mehr als 60.000 Klicks bei Youtube und über 135.000 beim Videoportal Vimeo ist der Film ein virales deutsches Internetphänomen geworden. Unzählige Kommentare sowie Tweets loben und diskutieren das Machwerk über den abgehärteten Obsthändler mit dem schwer verständlichen Dialekt – betextet mit völlig austauschbaren Phrasen. Zufall ist das natürlich nicht: Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt der Regisseur, dass er mit dem Video zeigen wollte, wie austauschbar die Inhalte der meisten Unternehmensfilme seien. Nur die Glaubwürdigkeit der Menschen sei wichtig. Und an Glaubwürdigkeit mangelt es „Didi“ nicht.

Seite 1:

Über diesen Image-Film lacht Deutschland

Seite 2:

Ironie als Antwort auf Image-Filme

Kommentare zu " Obststand kommt groß raus: Über diesen Image-Film lacht Deutschland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein Werbefilm für unsere Bananen-Republik, Deutschland. Der Bananenstand ist nichts weiter als ein Synonym für Deutschland.
    Alles Banane. Passt...

  • Zitat "[...]die anstelle der Schema F-Unternehmensfilme[...]"

    Das ist doch ein Schema F-Unternehmensfilm.

    Augen zu und an Firma XYZ denken. Oder sogar den Film lassen und an den Energieversorger denken, der liebevoll und Traditionsbewusst aus hochwertigen handverlesenen Rohstoffen den Strom für den Didi produziert und liefert.

    Sicher als Ironie gemeint. Und evtl. um den Kunden vor Augen zu führen, was sie mit Ihren Imagefilmen machen.
    Aber wwr nimmt das noch ernst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%