OECD-Bericht
Anzahl fettleibiger Mädchen verdoppelt

Binnen fünf Jahren hat sich der Anteil fettleibiger Mädchen in Deutschland verdoppelt und ist damit so schnell gestiegen wie in fast keinem anderen OECD-Land. Das ist ein Ergebnis des OECD-Gesundheitsberichts für Deutschland. Die OECD stellt für Deutschland ein leistungsfähiges Gesundheitssystem fest, das jedoch im Ländervergleich recht teuer ist. Grund dafür sind vor allem häufige Arztbesuche und eine sehr hohe Ärztedichte.
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HB BERLIN. Der Anteil der fettleibigen Mädchen in Deutschland hat sich seit 2001 verdoppelt. Dies geht aus einer Studie hervor, die die Organisation am Dienstag veröffentlichte. Elf Prozent der 15-jährigen Mädchen sind demnach hierzulande zu dick. Im Jahr 2001 waren es erst 5,5 Prozent. Der Durchschnitt der 25 ausgewerteten OECD-Länder liegt bei 10,1 Prozent.

Einer der Gründe: Die Jugendlichen in Deutschland bewegen sich vergleichsweise wenig und essen nur wenig Obst. Außerdem hat der Anteil der rauchenden Frauen zuletzt zugenommen: Bei 15-jährigen Mädchen etwa liegt Deutschland mit einem Raucherinnenanteil von 22 Prozent nach Österreich und Tschechien an dritter Stelle in der OECD.

Bei der Lebenserwartung auf Platz 14

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die OECD bescheinigt Deutschland ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleiste. Allerdings gibt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung bieten, viel Geld für sein Gesundheitssystem aus.

Wichtige Kostenfaktoren seien "viele Krankenhausbetten, hohe Ausgaben für Medikamente, relativ hohe Ärztehonorare und überdurchschnittlich hohe Verwaltungskosten". In der Krankenpflege seien - auch aufgrund der dort eher mäßigen Bezahlung - Engpässe zu befürchten.

Im Jahr 2007 gab Deutschland laut OECD 10,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus. Dies war nach den USA, Frankreich und der Schweiz der höchste Wert. Die kaufkraftbereinigten Ausgaben pro Kopf liegen hierzulande um 20 Prozent über dem OECD-Schnitt.

"In vielen OECD-Ländern sind die Menschen gesünder, leben länger und das bei geringeren Kosten", betont die OECD. So liege die deutsche Bevölkerung bei der Lebenserwartung nur auf Platz 14. Hier führen Japan, die Schweiz und Australien. Bei Herzinfarkt und unterschiedlichen Krebsleiden liegt die Todesrate mal knapp über, mal unter dem OECD-Schnitt. Auch die Kindersterblichkeit ist etwa so hoch wie im Mittel.

Im Vergleich viele Klinikbetten und lange Aufenthalte

Trotz eines erheblichen Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1 000 Einwohner kommen laut OECD 5,7 Betten - bezogen auf die Bevölkerung ist dies nach Österreich und Frankreich die höchste Zahl. Im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten. Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden komme mit 2,1 Krankenhausbetten je 1 000 Einwohner aus.

Nach den Japanern sind die Menschen in Deutschland diejenigen, die sich am längsten im Krankenhaus aufhalten. Bei der Zahl der Einweisungen liegt Deutschland auf Platz drei.

Im Vergleich deutlich höhere Ärztedichte

Mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1 000 Einwohner hat Deutschland eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1 000 Einwohner). Mit 7,5 Arztbesuchen pro Jahr und Einwohner gehen die Menschen in Deutschland etwas häufiger zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner und Jahr). Allerdings hat in Deutschland die Zahl der Arztbesuche so schnell zugenommen wie in fast keinem anderen OECD-Land.

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