Öko-Disko
Feiern, bis die Lichter brennen

In Rotterdam hat "Watt" eröffnet, die erste umweltfreundliche Diskothek. Noch aber funktioniert nicht alles so, wie es die Betreiber behaupten.

ROTTERDAM. Der Rhythmus vibriert in den Ohren. Der Bass traktiert die untere Bauchgegend. Lichter zucken abwechselnd in grünen, blauen und roten Farbtönen an der Decke und an den Wänden. Dutzende Tanzbegeisterte hüpfen auf und ab, drehen und wenden sich auf der Tanzfläche. Die weniger Mutigen schauen sich das wilde Treiben aus sicherer Entfernung von der Bar an und schlürfen dabei Whiskey-Cola oder Wasser zum Auftanken.

Es ist Party-Time im Rotterdamer Club "Watt". Und zwar eine ganze besondere: Denn Feiern ist eigentlich eine üble Umweltsünde. 1,9 Kilogramm CO2 kostet ein solcher Tanzabend im Durchschnitt pro Person. Dazu kommen 50 Liter Wasser und 2,15 Kilowattstunden Strom.

Im "Watt" dagegen können die Besucher mit ruhigem Gewissen die ganze Nacht durchrocken. Die Diskothek, die am vergangenen Wochenende mit Iggy Popp als Stargast die Pforten öffnete, ist der erste nachhaltige Tanzclub der Welt. Das behaupten zumindest die Gründer, ein Zusammenschluss aus Stiftungen und privaten Unternehmen.

"Bei uns produziert ein Besucher am Abend nur 1,3 Kilogramm CO2. Das sind 30 Prozent weniger als sonst. Wasserverbrauch und Abfall werden sogar um die Hälfte reduziert", sagt Michel Smit, Chef der Firma Sustainable Dance Club. Er will das Konzept in Rotterdam testen und dann in der ganzen Welt vermarkten. Der Mittfünfziger steht am Rande der Tanzfläche. Unter den Füßen der Besucher leuchtet es rot, blau und grün. Die Farben zeigen an, wie viel Energie gerade produziert wird durch die Bewegungen auf der Fläche, die aus 86 rechteckigen Platten besteht.

Denn der Club produziert vor allem Strom. "Beim Tanzen entsteht Energie. Statt sie einfach verpuffen zu lassen, benutzen wir sie für unsere Stromversorgung", sagt Smit. Die Platten geben bei jedem Schritt leicht nach. Darunter sind Generatoren versteckt, die diese Bewegungen in Strom verwandeln. Wie genau das funktioniert, wollen die Macher nicht verraten. Schließlich wollen sie ihre Idee noch weiterverkaufen.

Fest steht aber: Jedes Modul kann bis zu 20 Watt produzieren. Dafür müssen die Tänzer aber schon kräftig hüpfen. Kommt weniger Bewegungsenergie beim Generator an, leuchten die Platten nicht grün, sondern rot und blau. "Techno-Poesie", nennt das Dan Roosegaarde, der Erfinder des Farbenspiels.

Am Rande der bunten Fläche steht eine zwei Meter hohe Messlatte, die ununterbrochen anzeigt, wie viel Energie gerade produziert wird. Abdul und Ruud hüpfen daneben wie verrückt auf und ab. Die beiden sind Anfang 20 und erfahrene Clubgänger. Normalerweise fahren sie am Wochenende lieber nach Amsterdam. Da sei mehr los. Aber diesmal sind sie geblieben - und begeistert. "Ich finde es einfach geil hier. So etwas gibt es nirgendwo sonst. Es ist toll, wenn deine Energie sichtbar wird und auch noch der Umwelt nützt", sagt Ruud und starrt gebannt auf die Tanzfläche. "Es ist gut, sich einmal bewusst zu machen, wie viel Energie und Wasser wir eigentlich verbrauchen, wenn wir feiern."

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