Österreichs Oscar-Fieber: Die Alpenrepublik feiert ihre Filmhelden

Österreichs Oscar-Fieber
Die Alpenrepublik feiert ihre Filmhelden

Während Deutschland auch dieses Jahr wieder nur staunender Beobachter der Oscar-Verleihung ist, kann der „kleine Nachbar“ Österreich gleich auf mehrere Auszeichnungen hoffen. Waltz und Haneke heißen die Preisanwärter.
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WienÖsterreich ist im Oscar-Fieber. Die kleine Filmbranche des Landes könnte am Sonntag bei der Preisverleihung abräumen, ein Regisseur und ein Schauspieler könnten auf einen Schlag so wichtig wie die Skifahrer der Alpenrepublik werden. Die österreichischen Medien berichten schon die ganze Woche über die bevorstehende Oscar-Nacht, allen voran der ORF. Alte Filme von und mit Michael Haneke und Christoph Waltz werden hervorgeholt und zu Sondersendungen verpackt. Am Wochenende gibt es im ORF-Programm die letzten gefeierten Filme der beiden Österreicher zu sehen: Hanekes „Das weiße Band“, für den er die „Goldene Palme“ in Cannes bekommen hatte, und „Inglourious Basterds“, für den Waltz vor drei Jahren mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet worden war.

Der ORF feiert sich mit diesen Sondersendungen auch ein wenig selbst, denn Österreichs öffentlich-rechtlicher Sender gehört meistens zu den Koproduzenten bei den Haneke-Filmen, wie auch beim „Weißen Band“ und „Liebe“. Österreich ist ein kleines Land mit einer sehr begrenzten Film-Szene, ohne den ORF wird in der Alpenrepublik deshalb selten ein Film gedreht. In Österreich kann ein Filmemacher gerade einmal mit durchschnittlich 800000 Euro an öffentlicher Förderung rechnen, in Deutschland oder Frankreich liegt der Förderbetrag bei etwa zwei Millionen Euro.

Michael Haneke hat es zudem sehr gut verstanden, stets auch internationale Geldgeber als Produzenten für seine Filme zu gewinnen. Deutsche Koproduzenten sind eigentlich fast schon Standard, mit seinen engen Bindungen nach Frankreich holt Haneke zudem häufig französische Geldgeber dazu. Insofern könnte am Sonntag ein erfolgreicher Film „Liebe“ auch als französischer Oscar-Gewinn gewertet werden, weil etwa 70 Prozent der Produktionskosten von französischer Seite aufgebracht worden sind.

Selbstverständlich hat ORF-Intendant Alexander Wrabetz seinen beiden Landsleuten zur Nominierung gratuliert. „Ein bewegendes Meisterwerk mit absoluten Oscar-Chancen, mitfinanziert vom ORF“, sagt Wrabetz beispielsweise über „Liebe“. Zugleich nutzt Wrabetz die Oscar-Nominierung für seine eigenen inner-österreichischen medienpolitischen Ziele. Im Moment verhandelt der ORF mit der Regierung in Wien über die Fortsetzung der Gebührenerstattung für sozialschwache Haushalte. Weil ein vom ORF geförderter Film jetzt kurz vor dem Oscar-Gewinn stehe, müsse die Regierung auch in Zukunft für die Fernsehgebühren von ärmeren Österreichern aufkommen.

Sollte Michael Haneke in diesem Jahr tatsächlich den Oscar gewinnen, kann der ORF-Intendant sicherlich mit einer großzügigen Regierung rechnen. Nach der Oscar-Zeremonie soll in Los Angeles auf jeden Fall groß gefeiert werden. Auf der Party im österreichischen Generalkonsulat in Los Angeles werden ORF-Chef Wrabetz und auch die Wiener Kulturministerin Claudia Schmied erwartet.

Die Chancen für ein ausgelassenes Fest in den Landesfarben „Rot-Weiß-Rot“ stehen jedenfalls gut, zumal sich ein Lapsus von der Oscar-Verleihung vor drei Jahren nicht wiederholen wird. Christoph Waltz hatte sich den Preis damals für die beste Nebenrolle in „Inglourious Basterds“ abgeholt, allerdings als Deutscher. Der 56-Jährige ist zwar in Wien geboren und hat dort den größten Teil seines Lebens verbracht. Doch von seinem Vater hatte er einen deutschen Pass geerbt – und war damit immer passabel durchs Leben gekommen.

Nach dem Oscar-Gewinn vor drei Jahren bemerkten die Österreicher den Lapsus und verpassten Christoph Waltz ganz schnell auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Und damit würde am Sonntag im Fall des Falles der zweite Oscar von Christoph Waltz auf jeden Fall auch in die Alpenrepublik gehen. Auch der Schauspieler hat klar zu erkennen gegeben, dass er sich selbst als Österreicher sieht: „Ich bin in Wien geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wie österreichisch muss es denn noch sein?“

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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