Oft verbunden mit Kriminalität
Jeden Tag schwänzen 100 000 Schüler den Unterricht

Sie treiben sich in Kaufhäusern oder Spielhallen herum, während ihre Altersgenossen sich beim Lösen von Matheaufgaben den Kopf zerbrechen. Vor allem in Großstädten schwänzen viel zu viele Schüler den Unterricht.

HB MÜNCHEN. „Bei zwölf Mill. Schülern dürfte die tägliche Zahl an Schwänzern bei etwa 100 000 liegen“, schätzt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Die genaue Zahl ist unbekannt. „Bisher war eine Erfassung aus Datenschutzgründen nicht erwünscht“, erklärt die Hamburger Bildungsbehörde. Anderen Ländern ist der Aufwand zu groß - anscheinend hat man nach PISA schon genug Probleme mit denen, die zur Schule gehen.

Sicher sei, dass in großen Städten häufiger die Schule geschwänzt werde als auf dem Land, sagt Kraus. In der Anonymität der Großstadt liefen Schüler weniger Gefahr, dass sie Bekannten begegnen, die ihnen unangenehme Fragen stellen. „Zudem sind die Verlockungen größer als in einer Kleinstadt, wo es nicht so viele Kaufhäuser oder Spielhallen gibt.“

Erste Anzeichen von Schulmüdigkeit können bereits in der Grundschule beobachtet werden, sagt Irene Hofmann-Lun vom Deutschen Jugendinstitut. „Massives Schwänzverhalten tritt bei 12- bis 14-Jährigen auf.“

Lehrer Kraus ärgert es am meisten, wenn Eltern das Blaumachen ihrer Kinder unterstützen. Das komme besonders an Tagen vor und nach den Schulferien vor, weil zum Beispiel die Tickets für Urlaubsflüge günstiger seien. Schwänzen als Mutprobe oder als neu erfahrene Freiheit in der Oberstufe seien weitere Gründe. Problematisch würde es, wenn Kinder aus Schul- oder Prüfungsangst dem Unterricht fern blieben: Dann sei der Gang zum Beratungslehrer oder zum Schulpsychologen empfehlenswert.

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