Ohlsdorfer Friedhof
Mal heiter, mal hanseatisch

Gerade in diesen düsteren Novembertagen tut es wohl, auf dem Friedhof mal herzhaft zu lachen. Das geht zurzeit auf dem "Ohlsdorfer Friedhof" in Hamburg recht gut, denn dort ist noch bis zum 15. Dezember eine Ausstellung mit dem - für ein Gräberfeld - etwas überraschenden Titel zu sehen: "Der lustige Friedhof - Alte Schmiedekunst aus Tirol".

Eine Kostprobe: "Hier ruht leider mein Gemahl. / Er war Schneider unten im Tal. / An seiner Stelle setze ich dort / mit dem Geselle die Arbeit fort."

Heiter gelaunt, treffen wir bald auf einen Grabstein, der - wie zum Kontrast - in ausgesprochen protestantisch-hanseatischer Ethik daherkommt: "Und wenn es köstlich gewesen ist", steht da abschreckend für alle Hedonisten, "so ist es Mühe und Arbeit gewesen."

So widersprüchlich eingestimmt, machen wir uns auf einen der Spaziergänge, zu denen die Friedhofsverwaltung des Ohlsdorfer Friedhofes ihren Besuchern rät. Mit 17 Kilometer Wegenetz und 400 Hektar Fläche - das entspricht ungefähr 530 Fußballfeldern - gilt der Ohlsdorfer Friedhof als der größte Parkfriedhof der Welt. Und er ist zugleich Hamburgs weitläufigster Park.

Samuel Beckett spazierte über den Friedhof, wann immer er in Hamburg war. Er schrieb 1936: "Wäldchen, Grotten, künstliche Seen mit Schwänen drauf - sie verheißen Trost im Untröstlichen."

Vielleicht ist der Friedhof sogar einer der schönsten Parks der Welt. Jedenfalls ist er dort großartig, wo der Weg an der Bronzeplastik "Prophet und Genius" beginnt, die 1961 von dem Bildhauer Gerhard Marcks geschaffen wurde.

Der Reiz des Ohlsdorfer Friedhofes liegt in seiner erstaunlichen Vielfalt. Sie unterscheidet ihn von anderen großstädtischen Gräberfeldern, deren Ruhestätten wie mit dem Winkelmaß angeordnet scheinen, in der stets gleichen Monotonie einer verordneten Friedhofsflora.

Ohlsdorf hingegen ist hier ein wenig überwuchert, dort wohl geordnet, hier ein bisschen bombastisch, dort zurückhaltend. Mal gediegen, mal überraschend - aber immer Teil einer Parklandschaft, welche unsere Seelen beflügelt, auch wenn sie an eine Vergänglichkeit erinnert werden, die auf einem alten Grabstein faustisch daherkommt: "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis."

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