Oktoberfest in München
Zwischen Wiesnrausch und Flüchtlingsdramen

Mehr als 70.000 Flüchtlinge haben die Münchener in den vergangenen Wochen herzlich empfangen. Jetzt will die Stadt auf dem 182. Oktoberfest feiern. Denn: Das normale Leben in der Stadt soll weitergehen.

MünchenEs ist ein Spagat für Josef Schmid. Fesch herausgeputzt steht der Münchener Bürgermeister vor dem Motodrom, in dem gleich tollkühne Motorradfahrer die Steilwand erobern werden. In Haferlschuhen, blauen Wadlstrümpfen, kurzer Lederhose und mit blauer Weste ist Schmid zum traditionellen Wiesnrundgang gekommen.

Heute darf er den OB Dieter Reiter vertreten – der ist unermüdlich in Sachen Flüchtlinge unterwegs. Ein Tusch von der Blaskombo „Apfelstrudel“ für Schmid, dann verkündet der: „Ich finde es richtig, dass das normale Leben in dieser Stadt weitergeht.“

Die existenzielle Not der Flüchtlinge wolle aber niemand ausblenden. „Lebensfreude und Hilfsbereitschaft schließen sich nicht aus.“ Am Samstag wird es daher wieder heißen „Ozapf is“. Mehr als 6,5 Millionen Besucher erwartet die Stadt, die sollen 7,5 Millionen Liter Bier trinken und 100 Ochsen sowie 60 000 Schweinshaxen verspeisen. Alles wie gehabt.

Doch diesmal präsentiert sich München den Besuchern als Stadt der Gegensätze. Das zeigt sich schon am Hauptbahnhof. Ein Stand bietet Wiesndirndl für 89 Euro an, daneben hängen Lebkuchenherzen mit einem „Gruß aus München“. An den Gleisen kommt in diesen Tagen ein Zug mit einer kleinen Flüchtlingsgruppe an, Polizisten begleiten sie zur Schalterhalle. Dort warten bereits ehrenamtliche Helfer in lila Westen und versorgen die Flüchtlinge mit Decken, Wasser und Obst.

Seit die Grenzen kontrolliert werden und mehr Züge direkt in andere Städte geleitet werden, ist der Andrang am Hauptbahnhof kleiner geworden. Nun steht Bürgermeister Schmid im Mittelpunkt. Den schwindelerregenden „Tower“ erklimmt er beim Rundgang und lässt sich im Encounter von Außerirdischen erschrecken. Auch eine Fahrt mit der weltgrößten mobilen Geisterbahn Daemonium darf nicht fehlen. Dabei, gesteht Schmid, sitzt er am liebsten gemütlich im Riesenrad.

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