Oktoberfeste in Deutschland
Wie Wiesn-Ableger Milliarden-Geschäfte machen

Längst wird nicht nur in Bayern das Oktoberfest gefeiert. Quer durch die Republik haben sich große und kleine Ableger entwickelt – sehr zur Freude der Wirtschaft. Von einem Milliardengeschäft ist die Rede.

DüsseldorfEs war 2004 als Eric Bock und Peter Schmitz-Hellwing auf dem Oktoberfest in München waren. Singen, Tanzen, Schunkeln und Trinken – die Kölner waren begeistert und dachten sich: Das müsste es auch bei uns in Köln geben. Rasch wurden auf einem Bierdeckel Stichpunkte notiert. Unter anderem, dass es Kölsch statt bayrischem Bier geben müsse. Selbstverständlich müsse auch Kölsche Musik integriert werden.

Im darauffolgenden Jahr veranstalteten sie mit ihrer Agentur zum ersten Mal das Kölner Oktoberfest, in diesem Jahr geht die Kölsche Variante des bayrischen Volksfestes bereits in seine zwölfte Auflage. An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden ist das Festzelt geöffnet, und die Menschen strömen in Massen zum Südstadion. 20.000 Besucher waren es im vergangenen Jahr insgesamt – mehr geht auch nicht. Das Zelt war an jedem der sechs Tage ausverkauft.

Das Oktoberfest zu sich nach Hause holen, diese Idee hat Schule gemacht. Ob Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln oder Leipzig: Kaum eine Stadt kommt ohne eigenen Ableger aus. Auch in ländlichen Regionen herrscht Wiesn-Zeit. Offizielle Zahlen gibt es nicht, trotzdem ist klar: Die Oktoberfest-Kopien haben sich zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Branchenkenner Lorenz Pöllmann vergleicht die boomende Oktoberfestindustrie mit dem Weihnachtsmarktgeschäft: „Es geht vor allem um das gastronomische Angebot. Wenn man sich da anschaut, wie viel Glühwein verkauft wird: Das ist ein Milliardengeschäft“, sagt der Professor für Medien- und Eventmanagement an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin.

Ein Blick auf die Internetseiten der Veranstalter zeigt: Aller Orten sind die Tickets knapp. Das Frankfurter Oktoberfest hatte im vergangenen Jahr 60.000 Besucher, über die Hälfte der 23 Veranstaltungen in diesem Jahr sind schon wieder ausverkauft. Auch im niederrheinischen Xanten, wo im Vorjahr 60.000 Besucher gezählt wurden, gilt: Für die diesjährige Auflage sind keine Reservierungen mehr möglich.

Die Lust der Menschen aufs Oktoberfest ist psychologisch begründet. Über die Marke Oktoberfest wird international berichtet. „Und in dem Moment, in dem die ganze Welt darüber spricht, besteht bei vielen das Bedürfnis, dabei zu sein. Und über die Ableger kann man auch dabei sein“, erklärt Pöllmann. „Man schwimmt auf einer Welle mit. Bei den Menschen entsteht der Eindruck: Wenn ich nicht hingehe, verpasse ich etwas. Dann bin ich außen vor.“

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