Olympisches Feuer
Fackellauf in Buenos Aires ein Volksfest

So wie in Buenos Aires, genau so muss sich China die olympischen Fackelläufe vorgestellt haben, als das weltumspannende Spektakel mit dem olympischen Feuer geplant wurde. Glückliche Fackelläufer vor einer hübschen Stadtkulisse und die einzige wirkliche Bedrohung der Enthusiasmus zehntausender Schaulustiger.

dpa BUENOS AIRES. So wie in Buenos Aires, genau so muss sich China die olympischen Fackelläufe vorgestellt haben, als das weltumspannende Spektakel mit dem olympischen Feuer geplant wurde. Glückliche Fackelläufer vor einer hübschen Stadtkulisse und die einzige wirkliche Bedrohung der Enthusiasmus zehntausender Schaulustiger, die sogar von den mehr als 5000 Polizisten und Ordnungskräften kaum im Zaum gehalten werden konnte. Einziger „Zwischenfall“ war ein mit Wasser gefüllter Ballon, den ein junger Mann in der Nähe des Präsidentenpalastes in Richtung der Fackel schleuderte. Einer der zahllosen Bewacher des Feuers konnte ihn noch in der Luft abgefangen. Die Regierung in Peking wird aufatmen.

Eine Handvoll Demonstranten, die am Obelisken gegen Chinas Tibet- Politik und die von ihnen beklagten Menschenrechtsverletzungen im Reich der Mitte protestierten, wurden von einer viel größeren Gruppe von Mitgliedern der großen chinesischen Auslandskolonie in Argentinien umringt. Eher neugierig als verärgert bestaunten die Auslandschinesen Transparente wie „Freies Tibet“ oder „Für die Glaubensfreiheit - Gegen Folter“. In den Tagen zuvor hatten Chinas Kritiker in Argentinien gewaltfreie „Überraschungen“ während des Laufs angekündigt. Die eigentliche Überraschung war dann aber, dass es keine gab.

Kurz vor Beginn des offiziellen Laufs machten sich noch einige Demonstranten zu einem alternativen Staffellauf mit einer „Fackel der Menschenrechte“ zum Präsidentenpalast auf. Aber auch dort wurden die Läufer, bei denen es sich meist um Mitglieder oder Anhänger der in China verbotenen Kultgemeinschaft Falun Gong handelte, von einer großen Mehrheit argentinischer Chinesen empfangen. Die ließen sich sichtlich belustigt sogar mit den Demonstranten fürs Familienalbum ablichten. Wer die mit großen chinesischen Flaggen ausgerüsteten Männer und Frauen jedoch nach ihrer Meinung fragte, bekam stets die selbe Antwort: „Ich weiß nichts“.

Das schien auch bei vielen argentinischen Journalisten der Fall zu sein, die den Lauf im Fernsehen live kommentierten. Auf dem Hintergrund der offiziellen und ziemlich triumphalen Olympia-Musik berichteten sie zu den Bildern vom Lauf im nationalen Überschwang von „diesem historischen Augenblick“, den „wunderschönen Aufnahmen von der Stadt“. „Diese Bilder sieht die ganze Welt, jetzt, in diesem Augenblick“, entfuhr es einem TV-Korrespondenten. Er und seine Kollegen von anderen Kanälen sparten auch nicht mit Kurzkommentaren über die „große jahrtausendealte Kultur Chinas“. Die massiven Proteste in Europa und San Francisco gegen Chinas Tibet-Politik oder die Vorwürfe wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen in China kamen bei der Berichterstattung so gut wie gar nicht vor.

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