Herdecke

Bäume wiegen sich am 18.01.2018 in Herdecke (Nordrhein-Westfalen) in einer Sturmböe (Langzeitbelichtung).

(Foto: dpa)

Orkan Sturmtief „Friederike“ kommt mit großer Wucht

Es wird ein stürmischer Tag: Meteorologen warnen vor Orkanböen bis 160 Stundenkilometer. Ihr Rat lautet: Zuhause bleiben. Das Zentrum des Sturms ist noch in den Niederlanden. In Deutschland gibt es bereits Flugausfälle.
Update: 18.01.2018 - 10:29 Uhr Kommentieren

Offenbach/Amsterdam Auf Deutschland kommt ein stürmischer Tag zu. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt, dass es an diesem Donnerstag in vielen Teilen des Landes Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 115 Kilometern pro Stunde geben könnte. In Hochlagen kann es noch heftiger werden – im Harz wird mit Windgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern gerechnet. Gefahr droht aber nicht nur durch das Sturmtief, sondern auch durch glatte Straßen. Bereits in der Nacht krachte es in Teilen Niedersachsens „im Minutentakt“, wie die Polizei mitteilte.

Das Sturmtief „Friederike“ – dessen Zentrum derzeit in den Niederlanden ist – wird der Vorhersage zufolge ab dem späten Vormittag in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und am Nachmittag bis nach Sachsen und Südbrandenburg ziehen. Es galten Unwetterwarnungen.

Am Münchner Flughafen wurden bereits einige Flüge gestrichen. Acht Flüge von und nach Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln der Lufthansa wurden wegen des Sturmtiefs annulliert, wie der Flughafen München am Donnerstagmorgen mitteilte. Darüber hinaus fallen acht Flüge der niederländischen Airline KLM aus, die aufgrund des Wetters in Amsterdam nicht starten. Im Laufe des Tages könnten zudem noch weitere Flugausfälle hinzukommen, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Vielerorts fällt auch der Schulunterricht aus, etwa im Oberharz in Niedersachsen, in Teilen von Mittelhessen und Oberfranken. In Nordrhein-Westfalen, wo für das gesamte Land Unwetterwarnungen ausgegeben wurden, können die Schulen selbst entscheiden, ob sie aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben, wie das Schulministerium mitteilte. In Düsseldorf warnt die Stadt bereits vor einer Stärke ähnlich des Sturms Kyrill im Jahr 2007.

In Regionen, in denen Orkanböen drohen, empfehlen die Meteorologen, Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Sie warnen vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Auch die Deutsche Bahn warnt ihre Fahrgäste auf ihrer Internetseite: Im Regional- und Fernverkehr seien Beeinträchtigungen möglich. In NRW führen Regionalzüge der Bahn langsamer, Verspätungen drohten. Die Deutsche Bahn riet Reisendenden via Twitter, sich vorab über mögliche Störungen zu informieren.

Nach Einschätzung eines DWD-Experten dürfte „Friederike“ allerdings nicht so große Schäden anrichten wie Sturmtief „Xavier“ im Oktober. Damals hätten die Bäume wesentlich mehr Laub getragen und damit dem Wind mehr Angriffsfläche geboten als jetzt im Januar, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Bei „Xavier“ waren im Herbst sieben Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste getötet worden, der Bahnverkehr im Norden und Osten wurde lahmgelegt.

Neben dem Wind bleibt die Glätte in vielen Teilen Deutschlands weiterhin ein Problem – vor allem im Norden, in der Mitte, im Osten und im Süden drohen laut DWD am Morgen noch rutschige Straßen. „Im Berufsverkehr kann es wieder Probleme geben“, sagte eine Sprecherin der Polizei in Oldenburg am frühen Morgen.

In Teilen Niedersachsens führte die Glätte zu zahlreichen Unfällen - am Abend und in der Nacht besonders rund um Wilhelmshaven und Westerstede. Auf den Autobahnen 28 und 29 krachte es „im Minutentakt“, wie die Polizei mitteilte. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Auch in Oberbayern berichtete die Polizei von vielen Unfällen durch Schneefall. In Baden-Württemberg kam kurz nach Mitternacht ein 23-Jähriger ums Leben. Er saß auf dem Beifahrersitz eines Wagens, der gegen einen Sattelzug schleuderte. Der Fahrer war bei Glätte zu schnell unterwegs gewesen.

Der Betrieb am Frankfurter Flughafen währenddessen zunächst von der Sturmwarnung nicht beeinträchtigt. „Wir haben keine Probleme“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Donnerstag. Am Morgen habe es keine wetterbedingten Ausfälle gegeben. Laut Prognosen soll es auch ein normaler Tag werden. „Wir sind voraussichtlich nicht direkt betroffen“, sagte der Sprecher. Für den Donnerstag seien 1.230 Starts und Landungen prognostiziert. 146.000 Passagiere sollen befördert werden.

Der niederländische Wetterdienst KNMI hat am Vormittag für große Teile des Landes Alarmstufe Rot ausgerufen. Auch in den Niederlanden werden Orkanböen mit einer Stärke von bis zu 140 Kilometern pro Stunde erwartet. Der Sturm führte bereits am frühen Morgen zu starken Behinderungen im Verkehr. Mehrere Lastwagen waren durch die heftigen Böen umgekippt und blockierten Autobahnen. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol waren 250 Flüge gestrichen worden; Passagiere wurden vor Verspätungen gewarnt. Wegen starker Seitenwinde konnten nicht alle Start- und Landebahnen genutzt werden.

So wütete „Friederike“ in Deutschland
Hamburg
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Der Tag nach dem Sturm: Schneereste liegen am Freitagmorgen vor der Elbphilharmonie und den Wohnhäuser in der Hamburger Hafencity. Mit Regen, Schnee und Orkanböen ist „Friederike“ durch Deutschland gezogen.

Sachsen-Anhalt
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Antje Lichtenberg, Schulleiterin an der Freiherr-Spiegel-Grundschule in Halberstadt (Sachsen-Anhalt), vor Teilen der Dachkonstruktion, die nach Durchzug des Sturmtiefs im Schulhof liegen.

Thüringen
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Feuerwehrleute beseitigen Sturmschäden im Tierpark von Gera. Hier sind am Donnerstag sehr viele Bäume umgefallen. Dabei wurden auch Tiergehege beschädigt. Zwei Silberfüchse sind entlaufen.

Sehnde
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Ein beschädigtes Auto steht an der B443 in Sehnde (Niedersachsen). Ein herabfallender Ast habe während des Orkantiefs „Friederike“ die Windschutzscheibe eines Autos durchschlagen, woraufhin der Wagen mit einem entgegenkommenden Auto kollidierte und gegen einen Baum prallte, wie die Feuerwehr Sehnde mitteilte. Die Fahrer beider Autos mussten mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Essen für Gestrandete
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Ein gestrandeter Bahnkunde bekommt am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe (Hessen) von einem Mitarbeiter der Johanniter-Unfallhilfe eine Decke. Gestrandete Reisende können die Nacht in einem von zwei zur Verfügung gestellten Aufenthaltszügen verbringen.

Weiterreise
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Fahrgäste informieren sich am Freitag in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) im Hauptbahnhof über ihre Weiterreise. Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen.

Leipzig
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Ein umgestürzter Baum blockiert eine Straße in Leipzig.

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  • dpa
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