Orkantief „Xaver“
Hamburg bereitet sich auf den großen Sturm vor

Die Hansestadt rüstet sich für den schweren Herbststurm, den das Tief Xaver bringen wird. Der Schiffsverkehr wird eingestellt, Weihnachtsmärkte bleiben geschlossen. Doch die Hamburger sind noch gelassen.
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HamburgAlles muss raus. Die Strandperle wird geräumt. Der Kultkiosk am Oevelgönner Elbufer, vor dem sich an lauen Sommerabenden hunderte Hamburger zum Feierabendbier versammeln, muss Sturmtief Xaver trotzen – und damit wohl einer Sturmflut, wie sie die Hansestadt lange nicht mehr erlebt hat. „Die schöne Weihnachtsdeko haben wir abgehängt, alle Flutschutztüren noch verstärkt, Fensterscheiben, Seitenwände und die schweren Sonnenschirme vom Elbestrand weggeschleppt“, sagt Mitinhaberin Pia Fintelmann. „Die historische Bude dagegen muss geflutet werden - sonst drückt das Wasser die Wände kaputt.“

Fintelmann hat Erfahrung, es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass das Wasser kommt. Doch einige Wetterdienste sagen voraus, dass es diesmal so schlimm wird, wie seit Jahren nicht mehr. Schließlich gleicht die für Donnerstag erwartete Konstellation den gefährlichen Wetterlagen, die Hamburg 1962 in die Flutkatastrophe führten und 1976 für bislang nicht wieder erreichte Hochwasser-Rekordmarken sorgten.

Das Tief Xaver soll von Grönland kommend Wind in Orkanstärke über die Nordsee treiben. Und der Sturm bläst nicht, wie um diese Jahreszeit üblich, aus Südwest sondern aus Nordwest. Damit drücken die Wassermassen in die Elbmündung, so dass das Wasser bei Ebbe kaum ablaufen kann, bevor die nächste Flut kommt. Und die soll wegen des Standes von Sonne, Mond und Erde als Springtide auch noch besonders hoch ausfallen.

Überall an der Küste rüstet man sich für den Sturm. Fährreedereien kündigen vorsorglich an, dass die den Schiffsverkehr zu den Nord- und Ostfriesischen Inseln am Donnerstag und Freitag einstellen werden. Der große Winterjahrmarkt und die Weihnachtsmärkte in Hamburg bleiben ab Donnerstag vorerst geschlossen. Die Hamburg Port Authority stellt sich darauf ein, dass mehr als sieben Windstärken zu erwarten sind – dann können Containerreisen von mehr als 330 Meter länger weder in die Elbe einlaufen noch den Hamburger Hafen verlassen. Die Hafenfähren werden viele Anleger nicht mehr anfahren, weil die für die Fahrgäste ab etwa 4,50 Meter über Normalnull nicht mehr erreichbar sind.

Doch droht tatsächlich eine Jahrhundertflut, die weite Landstriche unter Wasser setzt? Sicher ist: Die schreckliche Katastrophe von 1962 als in Hamburg die Deiche brachen, weite Teile des Stadtteils Wilhelmsburg unter Wasser standen und 318 Menschen in den eisigen Fluten starben, wird sich nicht wiederholen – selbst wenn der Hochwasserpegel erneut den damaligen Wasserstand von 5,70 erreichen sollte. Hamburg hat seine Deiche und Flutschutzmauern in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt. Bis zu einem Wasserstand von 7,50 Metern ist die Hansestadt sicher. Das ist selbst zum 1976 erreichten Rekordwert von 6,45 Metern noch ein beruhigender Abstand. Landunter ist inzwischen nur noch in wenigen elbnahen Bereichen – etwa an der Standperle oder der Auktionshalle am Altonaer Fischmarkt.

Eine Investition, die sich für die Stadt bezahlt macht: 2,2 Milliarden Euro hat Hamburg seit 1962 in den Hochwasserschutz gesteckt. Flutschäden in Höhe von insgesamt rund 17,5 Milliarden Euro wurden damit vermieden, rechnet die Rückversicherung Munich Re vor. In der Hamburger Innenbehörde gibt man sich denn auch demonstrativ gelassen: „Wir erwarten eine normale Sturmflut, wie wir sie im Herbst und Winter in Hamburg häufiger erleben“, erklärt ein Behördensprecher am Mittwochabend. „Das wird keine Lage, die den Katastrophenschutz stärker als üblich beschäftigt.“

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  • Und morgen kommen wieder die ganzen Klimaspinner hinter Ihren Schreibtischen vor und erzählen uns was vom ende der Welt.
    Meine Gednnken sind bei den Norddeutchen, Briten, Schweden und Polen ie auf dem Weg dieses Sturms liegen. ICh hoffe, dass die Schäden sich in Grenzen halten.

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