Oscars 2018

Moderator Jimmy Kimmel bei der Verleihung der 90. Academy Awards, den Oscars 2018, auf der Bühne im Dolby Theatre.

(Foto: dpa)

Oscar 2018 Skandal um sexuelle Übergriffe in Hollywood prägt die Oscar-Nacht

Die #MeToo-Debatte und Donald Trumps Immigrationspolitik spielen eine tragende Rolle während der Preisverleihung.
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New YorkModerator Jimmy Kimmel ging das Thema der sexuellen Belästigung von Frauen offensiv an: Gleich in seiner Eröffnungsrede forderte er ein Ende der Übergriffe gegen Frauen und ein Ende ihrer Benachteiligung im Filmgeschäft.

Dann zeigte der Komiker auf die goldene Oscar-Statue: Dies sei Hollywoods perfekter Mann. „Er hat seine Hände da, wo man sie sehen kann, sagt nie ein unständiges Wort und hat – am allerwichtigsten – keinen Penis“.

Das Thema zog sich wie ein roter Faden durch den Abend: Zum 90. Mal vergab die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ihre Preise für die besten Filme. Nach gut zweieinhalb Stunden standen die Schauspielerinnen Ashley Judd, Annabella Sciorra and Salma Hayek auf der Bühne.

Das sind die Gewinner der Oscars 2018
Bester Film
1 von 9

Der große Abräumer des Abends: der US-Spielfilm „Shape of Water“. Gleich vier Preise gewann die Crew des Fantasy-Dramas. Neben dem Hauptpreis für den besten Film nahmen die Macher auch die Preise für den besten Soundtrack und für das beste Produktionsdesign entgegen. Auch Regisseur Guillermo del Toro (vorne im Bild) konnte sich doppelt freuen: Er gewann außerdem den Preis für die beste Regie.

Beste Hauptdarstellerin
2 von 9

Frances McDormand wurde für ihr Rolle im Kriminalfilm „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgezeichnet. Sie spielt darin die Mutter eines ermordeten und vergewaltigten Mädchens, die sich mit der Polizei anlegt, weil diese nicht ordnungsgemäß ermittelt. Nachdem sie den Oscar überreicht bekommen hatte, legte McDormand die Statue aber erst mal zur Seite und bat alle weiblichen Nominierten – Schauspielerinnen, Drehbuchautorinnen, Songwriterinnen, Komponistinnen, Regisseurinnen, Designerinnen – aufzustehen. So wurde auf einen Schlag klar, wie wenig Frauen auch im Jahr der #Metoo-Debatte unter den Nominierten waren.

Bester Nebendarsteller
3 von 9

Auch der Preis für den besten Nebendarsteller geht an die Crew von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Sam Rockwell spielt darin einen gewalttätigen und unreifen Polizeibeamten.

Bester Hauptdarsteller
4 von 9

Gary Oldman nimmt seinen Oscar entgegen. In dem historischen Drama „Die dunkelste Stunde“ spielte er den altehrwürdigen Premierminister Winston Churchill. Besonders bekannt wurde er durch die Rolle des Sirius Black in den Harry Potter Filmen. „Die dunkelste Stunde“ gewann auch den Oscar für die Beste Maske.

Beste Nebendarstellerin
5 von 9

Allison Janney kann ihr Glück kaum fassen. In „I, Tonya“ spielt sie die ehrgeizige Mutter der berühmten Eiskunstläuferin Tonya Harding (Margot Robbie). Der Film erzählt die Geschichte des gewaltsamen Übergriffs auf Hardings Eislauf-Kollegin Nancy Kerrigan.

Bester Animationsfilm
6 von 9

„Coco - lebendiger als das Leben“ greift das Thema des mexikanischen „Dia de los Muertos“ (Tag der Toten) auf. Unter der Regie von Lee Unkrich und dem Drehbuch von Adrian Molina gewann der Pixar-Streifen den Oscar für den besten Zeichentrickfilm.

Bester fremdsprachiger Film
7 von 9

A fantastic woman“ aus Chile räumte den Oscar für den besten fremdsprachigen Film ab. Bei dem Drama führte Sebastián Lelio (vorne) Regie: Die Transgender Frau Marina verliert durch einen plötzlichen Tod ihres Geliebten Orlando. Bald darauf beginnen Ermittlungen, auch gegen Marina. Orlandos Familie enteignet sie.

Alle drei hatten sich gegen Produzent Harvey Weinstein gewandt, dem Vergewaltigungen und Belästigungen vorgeworfen werden. Eine sichtlich aufgewühlte Hayek sprach von notwendigen Veränderungen im Filmgeschäft.

In einem längeren Filmbeitrag erklären vor allem weibliche und nicht-weiße Schauspieler und Regisseure die Sicht ihrer Dinge. „Sehr bewegend“, kommentierte der schwarze Filmkritiker Wesley Morris von der New York Times die Einspielung.

Der Film „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ war der große Favorit des Abends, in 13 Kategorien nominiert. „Ich bin ein Immigrant“, sagte Guillermo del Toro zum Auftakt seiner Rede, kurz nachdem er den Oscar als bester Regisseur gewonnen hatte.

Damit spielte er indirekt auf die Immigrationsdiskussion in den USA an, ausgelöst durch Präsident Donald Trump und seinen Plänen zum Bau einer Mauer zum südlichen Nachbarland.

Er sei ein Mexikaner, sagte del Toro, der in Kalifornien lebe. „Die große Sache unserer Kunst und Branche ist es, die Unterschiede vergessen zu machen“. Der Film erfüllte die Erwartungen. Insgesamt gewann er vier Oscars, darunter die wichtigste Auszeichnung des Abends zum „Besten Film“.

Gary Oldman – umstrittener Preisträger

Einer der wichtigsten Preise war nicht ganz unumstritten. Als bester männlicher Darsteller gewann Gary Oldman den Oscar. Damit verpassten die Anwärter Denzel Washington und Daniel Kaluuya die Chance, als erste schwarze Oscar-Gewinner in die Geschichte einzugehen.

Oldman ist umstritten: Er verteidigte nicht nur die berüchtigten Ausraster vom Kollegen Mel Gibson. Auch soll er seiner Ex-Frau gegenüber handgreiflich geworden sein.

Die drei Schauspielerinnern hatten sich gegen Produzent Harvey Weinstein gewandt, dem Vergewaltigungen und Belästigungen vorgeworfen werden. Quelle: Reuters
Ashley Judd, Annabella Sciorra and Salma Hayek (v.l.)

Die drei Schauspielerinnern hatten sich gegen Produzent Harvey Weinstein gewandt, dem Vergewaltigungen und Belästigungen vorgeworfen werden.

(Foto: Reuters)

Aber seine brillante Darstellung des britischen Premierministers Winston Churchill in „Die dunkelste Stunde“ war wichtiger. In seiner langen Rede dankte der Engländer seiner Mutter und seiner Ehefrau – die Nummer Fünf im Leben des 59-Jährigen.

Den Oscar als beste Schauspielerin gewann Frances McDormand für ihre Hauptrolle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. In ihre Rede forderte McDormand die Drehbuchschreiber auf, mehr „Inklusivität“ in die Filme zu bringen.

Leer ging unter anderem Meryl Streep für ihre Rolle in „Die Verlegerin“ aus. Die Amerikanerin wird es aber verschmerzen können. Insgesamt 21 Mal wurde die 68-Jährige bereits für einen Oscar nominiert, den sie bereits dreimal gewann – zuletzt 2011 für ihre Darstellung von Margaret Thatcher in „Die Eiserne Lady“.

Ein deutscher Erfolg ist auch zu vermelden. Der Berliner Spezialeffekte-Künstler Gerd Nefzer arbeitete bei dem Science Fiction „Blade Runner 2049“ mit, erzeugte Sandstürme und Wellen für den Film mit Ryan Gosling und Harrison Ford. Der gewann in der Kategorie „Visuelle Effekte“ einen Oscar.

Ein „Dankeschön nach Germany“ rief Nefzer auf der Bühne ins Mikrofon und meinte damit seine Kollegen im Filmstudio Babelsberg.

Erhielt den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller für seine brillante Darstellung des britischen Premierministers Winston Churchill im Film „Darkest Hour“. Quelle: Reuters
Gary Oldman

Erhielt den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller für seine brillante Darstellung des britischen Premierministers Winston Churchill im Film „Darkest Hour“.

(Foto: Reuters)

Leer ging der gebürtige Frankfurter Hans Zimmer mit seiner Filmmusik für das Kriegsdrama „Dunkirk“ aus, wie auch Bewerbungen in den Kategorien „Live-Action-Kurzfilm“ und „Animierter Kurzfilm“ sowie „Die letzten Männer von Aleppo“ als bester Dokumentarfilm.

Der Hauptgewinner des Abends wurde aber mit keinem Wort erwähnt: Pricewaterhouse Coopers. Die Wirtschaftsprüfergesellschaft hatte im Vorjahr ein Desaster zu verantworten: Aufgrund eines falschen Briefumschlags wurde statt des Films „Moonlight“ der Konkurrenzstreifen „La La Land“ als Gewinner des Oscars für den besten Film verkündet.

Doch diesmal lies die Firma nichts anbrennen, tauschte die Mitarbeiter aus und fügte noch – zur Sicherheit – einen dritten Direktor hinzu, der im Fernsehkontrollraum saß und im Notfall hätte rasch eingreifen können. Aber es lief alles glatt.

Das sind die wichtigsten Oscar-Gewinner

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