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Oscar Pistorius: Der tiefe Fall des abgehobenen Ausnahmeathleten

Arrogantes Verhalten, Anschuldigungen gegen Kollegen, Handgreiflichkeiten: Seit längerem häuften sich Anzeichen dafür, dass im Leben von Pistorius einiges schief lief. Jetzt ist er wegen Mordverdachts verhaftet worden.

KapstadtBislang war er Südafrikas Sportikone: Der beinamputierte Sprinter Oscar Pistorius, der es trotz seiner Behinderung schaffte, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Umso größer ist der Schock darüber, dass der 26-Jährige Donnerstagfrüh seine Freundin, das Model Reeva Steenkamp, erschossen hat. Die Polizei bezweifelt, dass es sich bei den Schüssen am Valentinstag um einen Unfall handelt und beschuldigte ihn nach seiner Festnahme in einem Nobel-Vorort der Hauptstadt Pretoria des Mordes. Die Weltkarriere des Sprinters droht damit ein tragisches Ende zu nehmen. Doch ganz überraschend kommt der Fall des Athleten nicht.

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Dass Pistorius gerne wilde Partys feiert, ist in Wort und Bild dokumentiert. Auch, dass er im letzten Jahr mit ein paar Männern wegen einer Frau handgreiflich wurde. Doch diesmal scheint die Lage eskaliert zu sein: Während die Polizisten Pistorius abführen, versucht im Haus ein Notarzt seine Freundin Reeva Steenkamp wiederzubeleben – vergeblich. Vier Schüsse in Oberkörper und Kopf haben das 30 Jahre alte Fotomodell tödlich getroffen. Die beiden sind seit ein paar Monaten enger liiert.

Aufstieg und Fall des Oscar Pistorius

  • Anfänge

    Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.

  • Erste Erfolge

    2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.

  • Leichtathletik-Weltmeisterschaften

    2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.

  • Olympia 2012

    2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

  • Blitzlichtgewitter

    Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.

  • Mordverdacht

    Am 14. Februar 2013 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen. Der Mord-Prozess beginnt ein Jahr später: am 3. März 2014.

In Südafrika reagieren die Menschen geschockt auf das, was nun mit jeder Stunde stückchenweise bekannt wird. Keiner redet mehr von der Ansprache, die Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma am Donnerstagabend zur Eröffnung der neuen Legislaturperiode im südafrikanischen Parlament halten wird. Einige Journalisten, die dafür nach Kapstadt aus Johannesburg gekommen sind, jetten zurück, um die Hauptnachricht des Tages aus nächster Nähe zu verfolgen. Landesweit werden nach Angaben der Rundfunkanstalt Valentinsdinner abgesagt.

Die meisten Fans klammern sich zunächst noch an die Meldung der afrikaanssprachigen Johannesburger Tageszeitung „Beeld“, die frühzeitig und überraschend selbstgewiss gemeldet hatte, Pistorius habe seine Freundin wohl für einen Einbrecher gehalten und aus Versehen erschossen. Für die Polizei selbst stellt sich der Fall weniger eindeutig dar. Man sei „sehr überrascht“ über die Behauptung in der Zeitung und habe mit ihrer Verbreitung nichts zu tun, korrigiert ein Polizeibeamter, sondern ermittele wegen Mordverdachts.

Frau erschossen „Blade Runner“ Oscar Pistorius unter Mordverdacht

In seinem Haus hat er eine Frau erschossen. Es handelte sich wohl um seine Freundin.

Pistorius selbst will gegen Kaution aus dem Polizeigewahrsam freikommen. Er sitzt nach tödlichen Schüssen auf seine Freundin in der Nacht zum Donnerstag in der Zelle. Am Freitag traf der mutmaßliche Todesschütze beim zuständigen Gericht in Pretoria ein. Der 26-Jährige will angesichts der drohenden Mordanklage seine Freilassung beantragen. Dies hatte Rechtsanwalt Kenny Oldwage laut der südafrikanischen Nachrichtenagentur SAPA am Donnerstag nach dem Besuch seines Mandanten betont.

  • 15.02.2013, 14:26 UhrAzzuro76

    Der Artikel ist sehr ausgewogen und beleuchtet Hintergünde. Hallo: Da hat jemand seine Freundin ermordet mit 4! Schüssen. Im Falle eines Versehens hätten es doch höchstens 1-2 sein dürfen. Kann hier auch mal jemand für das Opfer sprechen?!

  • 15.02.2013, 10:04 UhrAnonym

    Shut up? Tja, stellt sich die Frage, wer hier eigentlich besser schweigen sollte:

    Dass Herr Drechsler, den ich persönlich seit vielen Jahren kenne und schätze, in seinem Artikel Herrn Pistorius die Unschuldsvermutung abspricht, kann ich nicht erkennen. Vielmehr geht es darum, ein ausgewogenes Bild zu zeichnen, ohne jegliche Sensationslust oder Vorverurteilung. Das ist wohl die Aufgabe eines Journalisten.

    Die heutige Gerichtsverhandlung wird sicherlich Klarheit ins Dunkel bringen.

    P.S. Übrigens ist mir dieser angeblich in SA geltende Grundsatz völlig unbekannt, und immerhin habe ich dort fast 10 Jahre gelebt. Aber wenn Sie das so auch aus Deutschland kennen, sagt das ja eigentlich alles.

  • 15.02.2013, 08:54 UhrHerrW

    Im Internet gilt wohl die "Schuldsvermutung". Selbst wenn Pistorius nicht verurteilt wird, ist sein Ruf für immer dahin.
    So ist das mit dem Internet.

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