Oscar Pistorius: Der tiefe Fall des Sporthelden

Oscar Pistorius
Der tiefe Fall des Sporthelden

Der des Mordes verdächtigte Pistorius steht für die tiefe Spaltung Südafrikas sportverrückter Gesellschaft. Sie sucht nach Helden und verschließt dabei noch immer die Augen vor massiver Gewalt ihrer Idole gegen Frauen.
  • 13

PretoriaOscar Pistorius hat schon oft für Schlagzeilen gesorgt, fast immer ausgesprochen gute. Wie kein anderer ist der beinamputierte Sprinter mit seinen Schienenbeinprothesen zur Inspiration und einem Mutmacher geworden, der bewiesen hat, dass ein Behinderter das Gleiche wie ein Nicht-Behinderter leisten kann. Im vergangenen Jahr adelte ihn Time-Magazin wohl auch deshalb mit der Aufnahme  in die Liste der weltweit 100 einflussreichsten Menschen.

Doch all das war am Freitagmorgen fast mit einem Schlag vergessen. Einsam steht der Sportstar nun vor dem Richter und atmet schwer durch seine Tränen. Gerade hat der Staatsanwalt verkündet, Pistorius tatsächlich des „vorsätzlichen Mordes“ an seiner Freundin Reeva Steenkamp anzuklagen, die am frühen Donnerstag in seinem Haus erschossen wurde.

Noch sind genaue Umstände nicht geklärt, doch deuten immer mehr Beweise und Zeugenaussagen darauf hin, dass es sich wohl doch nicht um einen Akt der Notwehr gehandelt hat wie es zunächst hieß. Den Antrag von Pistorius auf Kaution vertagt das Gericht auf Dienstag. Bis dahin wird der 26-Jährige in Polizeigewahrsam bleiben – und braucht vorerst nicht in ein Gefängnis.

In seiner ersten Stellungnahme seit dem Tod seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp ließ Pistorius durch Familie und Manager erklären: „Ich weise diese Anklage aufs Schärfste zurück.“ Der einsame Auftritt vor Gericht ist ein weiteres Indiz für den gnadenlos schnellen Abstieg des zuvor weltweit bejubelten und hochbezahlten  Sportstars. 

Viele Journalisten graben nun plötzlich tiefer in der Vorgeschichte des Sportlers und stoßen dabei auf eine Reihe weniger schöner Episoden wie Handgreiflichkeiten und Wutausbrüche, aber auch wiederholte Gewalt gegen Frauen, die den Sportler in ein ganz anderes  Licht rücken.  Besonders interessant erscheint nun auch die Aussage seiner Ex-Freundin Samantha Taylor, die der Sonntagszeitung „City Press“ im vergangenen Jahr erzählte,  dass Oscar ganz anders sei, als viele glaubten.

Aufschlussreich liest sich auch der Artikel eines Journalisten der „New York Times“, der nach einer längeren Recherche des Sportlers zu dem Schluss kommt, dass es zwar Spaß mache, Zeit mit Pistorius zu verbringen, aber dass dieser wohl „mehr als nur etwas verrückt“ sei und zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit neige. 

Seite 1:

Der tiefe Fall des Sporthelden

Seite 2:

150 Vergewaltigungen pro Tag

Kommentare zu "Der tiefe Fall des Sporthelden "

Alle Kommentare
  • @K.Tastrophe

    "Herr Pistolius soll seine Freundin durch die Badezimmertür erschossen haben."

    Nomen est omen ... und besten Gruß von Siegmund! Herrlich :)

  • Herr Pistolius soll seine Freundin durch die Badezimmertür erschossen haben. Sollte das wahr sein, wird der Herr den Rest seines Lebens hoffentlich im Knast verbringen.

  • @Debbie: Danke für Deinen Kommentar! Wir hier in Deutschland machen es uns leicht, schnell nach unseren Maßstäben zu urteilen. Also alle erstmal runterfahren und, bevor geurteilt wird, die Ermittlungen respektive das gerichtliche Verfahren abwarten.

  • @ Freidenker

    "Fakt ist das auch sehr viele Deutsche Männer immer noch keine Achtung vor einer Frau haben!!!"

    Dem Statement kann sich meine Familie und ich zu 100% anschließen.
    Wir, Mann/Frau + kidds haben in unserer Familie darüber diskutiert und sind der Meinung, dass der Chauvinismus resp. die Respektlosikeit den Frauen gegenüber nach wie vor sehr verbreitet ist.
    Wir sind sogar der Meinung, dass es im Zuge der Wirtschaftskrise und der Knappheitvon guten Jobs, wieder zugenommen hat!

    Besonders im südlichen Teil Deutschlands ist der Gedanke der "alten Rollenverteilung" noch sehr verbreitet.





  • @ Ernst
    Sehe ich auch so. Wir wissen doch nur, was derzeit über die Presse reinkommt, und das sind zu 99% Mutmaßungen.
    Also mal den Ball flachhalten und die Behörden ihre Arbeit machen lassen!

    Im übrigen, wenn bei mir auf einmal nachts um viere einer in der Bude rumort, dann geht es ebenfalls rund. Da würde ich auch nicht lange fackeln...

  • Ich bin Südafrikanerin, die seit 2002 in Deutschland lebe. Die Nachricht über Oscar Pistorius hat mich tief schockiert. Südafrika ist tatsächlich ein Sportverrücktes Land in dem viel Gewalt vorkommt und Menschen nach Helden suchen, weil Helden Hoffnung bedeuten. Die Möglichkeit, dass einen ihrer Hoffnungsträger selbst an der Gewaltswahnsinn teilhat, führt deshalb bei vielen Südafrikanern zu Fassungslösigkeit.

    Auch ich suche immer noch hier aus der Ferne nach Zeichen, dass Südafrika sich als gesunde und sichere Demokratie entwickeln wird. Meine Eltern leben noch dort und ich bin oft mit ihrer Angst, irgendwann selbst Opfer zu werden, konfrontiert.

    Da ich selbst zweimal Opfer war, möchte mein Vater überhaupt nicht, dass ich wieder dorthin zurück kehren und auch er schläft nachts mit einem Waffen neben dem Bett.

    Ich empfinde deshalb eine tiefe Dankbarkeit darüber, dass ich in Deutschland leben und arbeiten kann. Hier erlebe ich Sicherheit und Respekt. Vielleicht hatte ich bislang nur Glück und selbstverständlich gibt es Dingen, die man noch verbessern kann, aber ich glaube, dass jeder/jede, der/die Südafrika besser kennt, verstehen wird, was ich meine.

    Ich empfinde auch tiefes Mitleid für die Familien von Reeva Steenkamp und Oscar Pistorius und auch for Oscar selbst. Wir wissen noch nicht sicher, ob er vorsätzlich gehandelt hat oder, ob es einen tragischen Versehen war, der nicht zum ersten Mal in Südafrika passierte.

    So oder so, jeder Täter war irgendwann Opfer. Das bedeutet überhaupt nicht, dass Täter nicht die Verantwortung für ihre Taten tragen sollen. Es bedeutet jedoch, dass man versuchen muss die Beweggründe zu verstehen und sich mit diesem Verständnis weiter darum bemühen muss, eine Gesellschaft zu bilden, wo solche Beweggründe keinen Platz finden.

    Debbie Coetzee

  • Nun wischen Sie sich mal den Schaum vom Mund und werden objektiv: Ob dieses Tötungsdelikt überhaupt etwas mit Sexismus oder Frauenfeindlichkeit zu tun hat, das ist bisher noch völlig offen. Ob es nun Mord, Totschlag oder doch ein Irrtum war - jedenfalls hat es bisher kein Anzeichen für eine Vergewaltigung in dem Fall gegeben.

    Es ist unsinnig, dieses Ereignis als Anlaß zu nehmen, in einen Rundschlag gegen Männer oder Südafrika auszuholen. Aber es ist billige Effekthascherei, das sollte auch das HB wissen.

  • Ähnelt dem Fall Bubi Scholz, der ist damals wegen seinem Vollrausch sehr glimpflich davongekommen.

  • Genderfrage hin, Sexismus her: Jedenfalls war der Valentinstag diesmal ein Volltreffer.

  • Interessant für mich wäre ja noch, ob der Sportler Medikamente einnehmen muß/te! Könnte ich mir jedenfalls sehr gut vorstellen.

    Die Deutschen leiden ja unter Depressionen und bekommen oft sehr schnell Psychopharmaka verordnet. In den Medikamenten steckt viel Aggressionspotenzial drinn. Laut Beipack macht es emotionsloser und unterdrückt Gefühlswahrnehmungen. Da ich selber mal eine Zeit Psychopharmaka nehmen mußte, kann ich dem nur zustimmen. Dieser ganze Medikamentenmarkt ist für mich auch die Ursache für so manchen Ausraster einiger Menschen. Und auch Kinder werden ja heute mit Psychopharmaka voll gepumpt.

Serviceangebote