PretoriaOscar Pistorius hat schon oft für Schlagzeilen gesorgt, fast immer ausgesprochen gute. Wie kein anderer ist der beinamputierte Sprinter mit seinen Schienenbeinprothesen zur Inspiration und einem Mutmacher geworden, der bewiesen hat, dass ein Behinderter das Gleiche wie ein Nicht-Behinderter leisten kann. Im vergangenen Jahr adelte ihn Time-Magazin wohl auch deshalb mit der Aufnahme in die Liste der weltweit 100 einflussreichsten Menschen.
Doch all das war am Freitagmorgen fast mit einem Schlag vergessen. Einsam steht der Sportstar nun vor dem Richter und atmet schwer durch seine Tränen. Gerade hat der Staatsanwalt verkündet, Pistorius tatsächlich des „vorsätzlichen Mordes“ an seiner Freundin Reeva Steenkamp anzuklagen, die am frühen Donnerstag in seinem Haus erschossen wurde.
Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.
2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.
2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.
2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.
Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.
Am 14.02.2012 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen.
Noch sind genaue Umstände nicht geklärt, doch deuten immer mehr Beweise und Zeugenaussagen darauf hin, dass es sich wohl doch nicht um einen Akt der Notwehr gehandelt hat wie es zunächst hieß. Den Antrag von Pistorius auf Kaution vertagt das Gericht auf Dienstag. Bis dahin wird der 26-Jährige in Polizeigewahrsam bleiben – und braucht vorerst nicht in ein Gefängnis.
In seiner ersten Stellungnahme seit dem Tod seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp ließ Pistorius durch Familie und Manager erklären: „Ich weise diese Anklage aufs Schärfste zurück.“ Der einsame Auftritt vor Gericht ist ein weiteres Indiz für den gnadenlos schnellen Abstieg des zuvor weltweit bejubelten und hochbezahlten Sportstars.
Viele Journalisten graben nun plötzlich tiefer in der Vorgeschichte des Sportlers und stoßen dabei auf eine Reihe weniger schöner Episoden wie Handgreiflichkeiten und Wutausbrüche, aber auch wiederholte Gewalt gegen Frauen, die den Sportler in ein ganz anderes Licht rücken. Besonders interessant erscheint nun auch die Aussage seiner Ex-Freundin Samantha Taylor, die der Sonntagszeitung „City Press“ im vergangenen Jahr erzählte, dass Oscar ganz anders sei, als viele glaubten.
Aufschlussreich liest sich auch der Artikel eines Journalisten der „New York Times“, der nach einer längeren Recherche des Sportlers zu dem Schluss kommt, dass es zwar Spaß mache, Zeit mit Pistorius zu verbringen, aber dass dieser wohl „mehr als nur etwas verrückt“ sei und zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit neige.

@K.Tastrophe
"Herr Pistolius soll seine Freundin durch die Badezimmertür erschossen haben."
Nomen est omen ... und besten Gruß von Siegmund! Herrlich :)

Herr Pistolius soll seine Freundin durch die Badezimmertür erschossen haben. Sollte das wahr sein, wird der Herr den Rest seines Lebens hoffentlich im Knast verbringen.

@Debbie: Danke für Deinen Kommentar! Wir hier in Deutschland machen es uns leicht, schnell nach unseren Maßstäben zu urteilen. Also alle erstmal runterfahren und, bevor geurteilt wird, die Ermittlungen respektive das gerichtliche Verfahren abwarten.
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