Oscars 2006
Nur geringe Chancen für „Sophie Scholl“

Marc Rothemund hat die Geschichte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ packend verfilmt - und wurde dafür mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Doch für eine goldene Trophäre wird es wohl nicht reichen. Denn deutsche Filme spielen in Hollywood in der Kategorie bester ausländischer Film nur eine bescheidene Nebenrolle.

DÜSSELDORF. In Hollywood ist wieder Zivilcourage angesagt. Sophie Scholl und ihr Bruder Hans leisten im Winter 1943 Widerstand gegen die Nazi-Diktatur. Im Treppenhaus der Münchener Universität legen sie eigens angefertigte Flugblätter aus und prangern das Unrechtssystem unter Adolf Hitler an. Ein Hausmeister entdeckt die Geschwister. Ein Drama nimmt seinen Lauf.

Regisseur Marc Rothemund hat die Geschichte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ packend verfilmt. Nun ist der Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ – seit Ende Februar wieder in den deutschen Kinos – für einen Oscar in der Kategorie „bester nicht englischsprachiger Film“ nominiert. Der Streifen über die letzten sechs Tage der Widerstandskämpferin Sophie Scholl vor ihrer Hinrichtung durch die Nazis wurde mit knapp 890 000 Euro vom Bayerischen Filmfernsehfonds gefördert und hat schon eine Million Besucher in die deutschen Kinos gelockt. Bisher hat der Film 5,6 Millionen Euro eingespielt.

Wenn zum 78. Mal die goldenen Trophäen in Hollywood vergeben werden, sind bei den Produzenten Sven Burgemeister und Christoph Müller und ihrer Hauptdarstellerin Julia Jentsch (Sophie Scholl) die Nerven angespannt. Traditionell kommen die Deutschen mit Themen aus der Nazi-Zeit gut in Hollywood an. Das fordert zum Widerspruch heraus. „Die Stärken des deutschen Films zeigen sich nicht unbedingt in der Oscar-Nominierung“, kritisiert Michael Schmid-Ospach, Chef der Filmstiftung NRW. „Die Fixierung auf unsere schreckliche Vergangenheit ist verständlich. Es ist aber schade, wenn Filme wie ,Das Wunder von Bern’ nicht einmal nominiert werden.“ Im vergangenen Jahr war „Der Untergang“, eine Produktion der Münchener Filmfirma Constantin Film, für den Oscar nominiert. Der Film von Oliver Hirschbiegel erzählt Hitlers letzte Tage im Berliner Führerbunker. Bei der Preisverleihung ging der Kinoerfolg allerdings leer aus.

Der bekannteste deutsche Oscar-Preisträger ist Film-Altmeister Volker Schlöndorff. Er erhielt die Trophäe vor 26 Jahren für die Verfilmung der „Blechtrommel“ von Günter Grass. Vor drei Jahren gewann Caroline Link für das Emigrantenschicksal „Nirgendwo in Afrika“ den begehrtesten Filmpreis der Welt. Die Deutschen spielen in Hollywood in der Kategorie bester ausländischer Film eine bescheidene Nebenrolle. Hollywood-Branchenblätter geben „Sophie Scholl“ nur Außenseiterchancen. Regisseur Rothemund hat bereits reagiert und bereitet für die Oscar-Verleihung am Sonntagabend keine Dankesrede vor. „Das würde ich nervlich nicht durchhalten: Vor so vielen Berühmtheiten und Kameras zu stehen und vielleicht mit zittrigen Händen den Zettel nicht mehr lesen zu können“, sagte der 37-Jährige dem Glamourblatt „Gala“. Nun heißt es: abwarten und Tee trinken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%