Osloer Polizei
„Wir waren so schnell es ging vor Ort“

Hatte der Terror-Schütze von Norwegen zu viel Zeit für seine Gräueltaten? Die Polizei wehrt sich gegen entsprechende Vorwürfe, veröffentlicht sogar das Minutenprotokoll. In den Fokus rückt nun der Geheimdienst PST.
  • 2

OsloNorwegen steht nach den verheerenden Anschlägen am Freitag auf das Regierungsviertel in Oslo und dem Jugendlager auf der nahegelegenen Insel Utøya unter Schock. Noch dominiert das Entsetzen über die Anschläge, bei denen mindestens 93 Menschen, zumeist Jugendliche, kaltblütig ermordet wurden. Doch ganz langsam mischt sich in die Trauer, Verzweiflung und Wut auch Kritik an dem Polizeieinsatz. Vor allem die Medien in Norwegen fragen zunächst noch vorsichtig, ob der Polizeieinsatz auf der Insel Utøya wirklich optimal abgelaufen ist. Immerhin dauerte es exakt eine Stunde von der ersten Meldung über die Schüsse auf Utøya bis zur Festnahme des rechtsradikalen 32jährigen Norwegers Anders B.

„Wir waren so schnell es ging, in Utøya vor Ort“, erklärt Oslos Polizeichef Sveinung Sponheim. Damit  hofft Sponheim, die vorsichtige Kritik schon im Keim ersticken zu können. Zur Sicherheit hat er die Veröffentlichung eines Minutenprotokolls des Einsatzes angeordnet.

Nachdem um 15.26 Uhr eine Autobombe im Regierungsviertel mitten in der Osloer Innenstadt explodierte und das Gebiet binnen Sekunden in ein Schlachtfeld mit mehreren Todesopfern, vielen Verletzten, brennenden Gebäuden, zerborstenen Fensterscheiben und schwer beschädigten Gebäuden verwandelte, war die Polizei wenige Minuten später vor Ort. Als erste Maßnahme wurde Regierungschef Jens Stoltenberg in einen sicheren Bunker gebracht.

Hundertschaften der Osloer Polizei sowie das Militär waren kurz darauf am Tatort, versuchten schnell das Gebiet um die Regierungsgebäude zu sichern und für die Allgemeinheit abzusperren. Zu dem Zeitpunkt befürchteten die Sicherheitskräfte noch, dass weitere Bomben in Gebäuden versteckt waren. „Es herrschte in den ersten Minuten totales Chaos“, erzählte später ein beteiligter Polizist. Dennoch hatten die Sicherheitskräfte angesichts der enormen Verwüstung und der Unsicherheit, ob weitere Sprengsätze detonieren würden, die Situation relativ schnell unter Kontrolle.

Fast auf die Minute genau zwei Stunden nach der Detonation im Regierungsviertel, um 17.27 Uhr, kam die erste Meldung über einen Schusswechsel auf der Insel Utøya, die 40 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt. Die Nachricht ging bei der örtlichen Polizeistation in Nodre Buskerud ein. Zu dem Zeitpunkt herrschte in der Hauptstadt Panik und Chaos, und es war nicht ersichtlich, dass es einen Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf das Regierungsviertel gab. Drei Minuten später wurde die Polizei in Oslo über die Schüsse auf Utøya informiert. 17.38 Uhr wendet sich die örtliche Polizeistation an die Kollegen in Oslo und bittet offiziell um Hilfe. 14 Minuten danach sind die ersten Beamten an einem kleinen Bootssteg am See Tyrifjord. Von dort aus kann man die rund 600 Meter entfernte kleine Insel mit einem Boot erreichen.

Seite 1:

„Wir waren so schnell es ging vor Ort“

Seite 2:

Geheimdienst muss sich noch erklären

Kommentare zu " Osloer Polizei: „Wir waren so schnell es ging vor Ort“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Attentäter setzt den Staat schachmatt

    denn er wußte, daß nach einem Attentat auf die Regierung alles andere im Land fast zu Null Priorität gesetzt werden würde. Die Deutsche Polizei wäre vermutlich genauso gesteuert. Als Eltern kann man gar nicht sagen wie wenig respekt für diesen Staatsapparat bleibt....und dieser wiegelt ab...wie in Duisburg'10 .Stuttgart'10...München' 72

  • Antiterrortruppe fährt mit Auto zum Einsatz ...

    Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so tragisch wäre. Seit 10 Jahren war Zeit, Antiterrormaßnahmen zu planen.

    Wieviele Menschen konnte der Attentäter in einer 1/2 Stunde töten, wieviele Menschenleben wären in einer 1/2 Stunde zu retten gewesen ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%